Home / Schwimmen Ratgeber und Tipps | Swimming Tips and Advice 

Geschlechterspezifische Unterschiede bei der anaeroben Leistungsfähigkeit im Schwimmen 1952-2006

1. September 2007

Gender-specific Differences in Anaerobic Swimming Performance 1952-2006

1 September 2007


[Kristin Otto (Deutsch)] [Kristin Otto (English)]

Von / By Felix K. Gmünder

© Felix Gmünder, limmatsharkszürich

Im Zeitraum von 1950 bis 1980 verbesserte sich die anaerobe Leistungsfähigkeit bei den Frauen deutlich mehr als bei den Männern. In einer wissenschaftlichen Studie wurde nun festgestellt dass sich die Lücke zwischen den Geschlechtern aber wieder vergrössert (Seiler et al.: The Fall and Rise of the Gender Difference in Elite Anaerobic Perfomance 1952-2006. Med Sci Sports Exerc 39(3):534-540 (2007)).

Dazu wurden die Zeiten der sechs besten Athleten und Athletinnen an olympischen Spielen und Weltmeisterschaften in den Sportarten Laufen (100, 200 und 400 m), Schwimmen (100 m Freistil und 100 m Rücken) sowie Eisschnelllaufen (500 m) zwischen 1952 und 2006 analysiert.

Between 1952 and 1980 the anaerobic performance of women improved much more than that of men. Since about 1990 the gender gap opens again. This was found in a scientific study (Seiler et al.: The Fall and Rise of the Gender Difference in Elite Anaerobic Performance 1952-2006. Med Sci Sports Exerc 39(3):534-540 (2007)).

The times of the top 6 finishers at Olympic games and world championships in 3 different sports were analysed in the time period between 1952-2006: Running (100, 200 and 400 m), swimming (100 m freestyle and 100 m backstroke), and speed skating (500 m).

Im Laufsport waren die Männer 1952 über 100 m 12.9% und über 200 m 16% schneller als die Frauen. Dieser Unterschied verminderte sich bis 1980 auf 8.6% bzw. 10.5%. Ab 1990 nahmen die Unterschiede wieder zu bis auf rund 11% über 100 m und 12% über 200 m. In the running events, in 1952, men were 12.9% and 16% faster than women over 100 and 200 m, respectively. Until 1980, this difference had shrunk to 8.6% and 10.5%. After 1990, the gap opened again, and in 2006, it had increased to 11% over 100 m and 12% over 200 m.

 

Im Schwimmen sieht die Entwicklung ähnlich aus: über 100 m Freistil schrumpfte der Unterschied von 14.3% im Jahr 1952, auf 11.5% im Jahr 1980 und vergrösserte sich bis 2006 wieder auf 12.2%. Auf der Rückenstrecke betragen die prozentualen Unterschiede für die Jahre 1952, 1980 und 2006 14.1%, 11.2% und 12.1%.

Die Ergebnisse beim Eisschnelllaufen werden hier nicht gezeigt, da sie identisch sind.

In swimming, the development is similar. Over 100 m freestyle, between 1952 and 1980, the gap closed from 14.3% to 11.5% and over 100 m backstroke from 14.1% to 11.2%. After 1980, the gender gap widened and in 2006, it was 12.2% and 12.1% in the freestyle and backstroke event, respectively.

The speed skating results are not shown; the development is the same.

Wie lässt sich der Verlauf der geschlechterspezifischen Unterschiede der anaeroben Leistungsfähigkeit erklären?

Sicher nicht damit, dass weniger talentierte Frauen Sport treiben, dass sie weniger oder schlechter trainieren würden oder dass sie keinen Zugang zu den neusten Erkenntnissen der Trainingslehre und Technik hätten.

Der Verlauf stimmt perfekt überein mit der Entwicklung des Dopings 1950-1980 und den danach immer besser werdenden Dopingkontrollen und Nachweismethoden. Die Lage scheint sich langsam wieder zu "normalisieren".

Die geschlechterspezifischen Unterschiede werden möglicherweise nicht mehr das Ausmass der 50er Jahre erreichen, weil die Frauen seither gleichberechtigter geworden sind und sich jetzt nur noch die natürlichen Unterschiede zwischen Männern und Frauen manifestieren.

How can this development be explained?

Certainly not by less women participating to sports, poorer or less training practise, or exclusion from technological and training developments.

However, the observed changes can be perfectly explained by the increase in drug abuse in the 1950ies to 1980ies and the subsequent improvements in scope and sensitivity of drug testing.

The original gender specific differences noted in the 1950ies may never be attained again, because women have reached more equal rights and opportunities. The true physiological differences between men and women are probably now reflected.

 
Home / Schwimmen Ratgeber und Tipps | Swimming Tips and Advice