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Zum 75. Geburtstag der Speedo-Badehosen

1. Oktober 2003

75th Anniversary of Speedo Swimwear

1 October 2003

At 75, still looking trim

For our English-speaking readers: for copyright reasons the English text is available at www.latimes.com (register for free and search the archive for "Speedos")

75 und kein bisschen schlaff

© Deutsche Übersetzung Felix Gmünder


von Michael Quintanilla, Los Angeles Times

Ein kultureller Einblick in die Verfassung der Wettkampfbadehose und die amerikanische Schwimm-und Strandmode
Angel Vera, Mechaniker aus El Sereno im Süden Kaliforniens sieht nicht gerade wie ein Speedo-Typ aus. Er gibt auch ohne weiteres zu, dass sein 36-jähriger Körper nicht gerade dem olympischen Schwimmerideal gleicht.
Trotzdem scheut er sich nicht, seinen Schmerbauch im bevölkerten Rose Bowl Aquatic Center von Pasadena in seinen knappen navyblauen Speedos spazieren zu führen. Wenn sich Arnold Schwarzenegger mit knappen Höschen und Speckrollen um die Hüfte präsentieren kann - wie kürzlich im Paparazzo-"People Magazine" gesehen - warum sollen das nicht auch andere Jungs können?

Sie befinden sich in guter Gesellschaft: An den olympischen Spielen 2000 in Sydney trugen 83% der Medaillengewinner im Schwimmen eine Speedo-Badehose. Nicht schlecht für die kleine, vor 75 Jahren von einem australischen Unterwäschefabrikanten gegründete Firma.

Paranson, ehemaliger Kapitän und Mitarbeiter der Mac-Rae Strickwarenfabrik, die gestrickte Baumwoll- und Wollunterwäsche herstellte, gewann 1928 den firmeninternen Wettbewerb für die geplante Expansion ins Geschäft mit Schwimmanzügen. Sein Slogan "Speed on in your Speedo" überzeugte so sehr, dass Mac-Rae gleich den Namen auf Speedo wechselte.
Während Jahren war die später von der Londoner Pentland-Gruppe übernommene Firma so bekannt für ihre knappen Rennbadehosen (im englischen "Briefs" genannt für "kurz"), dass Speedo mit modischen und satt sitzenden Badehosen gleichgesetzt wurde. Andere, teilweise klingende Namen aus der Modebranche wie Gucci, Bally, Nautica und wie sie alle heissen, versuchten, den Stil nachzuahmen, aber nur Speedo verzaubert den Blick. Und jetzt jährt sich die Geburt des kleinen Stofffetzens, der gar nicht mehr so richtig in die heutige weite, saloppe Herrenmodewelt passen will, zum 75. Mal.

"Ich schäme mich nicht in meiner Speedo," sagt Vera und wiederholt sein Speedo-Glaubensbekenntnis. "Ich schäme mich nicht." Wie viele andere Schwimmer ist er ein Anhänger der Briefs, weil sie im Wasser nicht bremsen und schnell trocknen.

In Mexico geboren, lebt Vera seit mehr als 10 Jahren in Los Angeles und sagt, "Eines kann ich sagen, in Mexico tragen alle Jungs Speedos." Im Aquatic Center sieht man den auch viele Speedos bei Jung bis Alt.

Am Strand sieht es aber ganz anders aus.
"Na das ist doch viel zu weibisch," sagt der in weiten, locker sitzenden, knielangen Shorts steckende Sonnenbader und Teilzeitsurfer Dennis Sandoval (20) am Will Rogers State Beach in Pacific Palisades, Los Angeles. "Mich bringst du nicht mal tot in eine Speedo rein, die Dinger sind einfach nicht für den Strand geeignet," sagt er.

Aber nicht alle sind mit Sandoval einig.

Die am New Yorker Fashion Institute of Technology unterrichtende Buchautorin Ruth P. Rubinstein ("Kleidervorschriften: Bedeutung und Signalwirkung in der amerikanischen Kultur". Das Buch ist nur in der englischen Version "Dress Codes: Meanings and Messages in American Culture" erhältlich") meint, dass die Briefs in einem bestimmten Sinn nichts Neues sind.

"Während der Renaissance waren die Männer stolz auf den Hosenlatz, der in der Öffentlichkeit getragen so etwas wie wirtschaftlichen Erfolg und Individualität signalisierte," sagt Rubinstein. "Die Speedo signalisiert heute das Gleiche - die Männer haben gelernt, ihre Körper zu zeigen."

Auch die Hersteller der Briefs geben zu, dass die Herrenwettkampfbadehose nicht für jedermann geeignet sind und nur einen winzigen Prozentsatz des weltweiten Gesamtumsatzes von 1.1 Milliarden US$ ausmacht. "Das ist ein ganz kleiner Teil unseres Geschäftes," berichtet Craig Brommers, Marketing Vizedirektor von Speedo USA, die Strandmode, Schwimmausrüstung und -zubehör von den Shorts über Sandalen bis zum Unterwasserradio verkauft.
"Aber wenn jemand sagt, 'schau dir den Typ mit den Speedos an', weiss jeder, was gemeint ist. Sie hat Kultcharakter," fügt Brommers bei.

Heute führe Speedos Herrenbademode die Bestsellerlisten [in den USA, Red.] an, wie Marshal Cohen, Co-Präsident des Marktforschungsinstitutes NPD Fashionworld, sagt. Die Popularität kommt hauptsächlich wegen dem Marktauftritt im Volleyball und bei den Bademeistern in den USA zu Stande.

Die Profi-Beach-Volleyball-Legende Karch Kiraly (42) hat lange Speedo getragen. Aber bei den Briefs hat er geschummelt.

"Ich habe die Briefs immer unter Volleyshorts oder Schwimmshorts getragen. Die meisten Spieler machen das," sagt Kiraly. "Nur wenn es zu heiss wird zieht man die Shorts aus und taucht rasch in den Speedos in die Wellen. So machte ich das während 20 Jahren."

Zu Beginn habe er in den Briefs am Strand gespielt. "Damals dachten andere Männer und Frauen wir seien verrückt. Aber in Brasilien tragen die Männer die Speedo-Briefs die ganze Zeit," meint Kiraly.

Alan Flusser, Autor des Buches "Wie ein Mann sich anzieht" ("Dressing the Man"), ist ein Liebhaber des Strandes und scharfer Beobachter der Herren-Strandmode. Er bestätigt, "Briefs sind nur für Wettkampf- oder seriöse Schwimmer geeignet, allenfalls um sich zu brüsten - aber selbst dann passt die Mehrheit der Männer nicht in diese knappe Badehose."
"Manchmal sieht man ältere Männer, Überbleibsel aus den 60er-Jahren, die das immer noch tragen," sagt Flusser, der das letzte Mal mit 12 Jahren Speedos trug. "Ausser an den olympischen Spielen 2000 habe ich nie mehr jemanden mit Speedos gesehen, und falls das der Fall wäre würde ich 'Igitt' denken."

David Wolfe, Experte in Fragen der Herrenbekleidung und Direktor des in New York ansässigen Modeberatungsunternehmens "Doneger", denkt, dass die Briefs beim Sonnenbaden durchaus ihre Berechtigung haben. Er kündigt sogar ihr Comeback für die Frühlings- und Sommerkollektionen des kommenden Jahres an.

In Pasadenas Aquatic Center teilt der 54-jährige Ron Henderson mit, zwei Speedos zu besitzen.

"Solange du dich im Schwimmbereich aufhältst sind die kein Problem," sagt er zwischen zwei Trainingsserien. Die Speedos würden weder bremsen noch sich mit lästigen Luftblasen füllen, wie das bei den Shorts der Fall ist. "Aber klar würdest du dich dabei komisch fühlen mit etwas, das wie deine Unterhose aussieht, den Strand auf und ab zu spazieren."
Der Masseur Claudio Marangone (38) aus Pasadena schwimmt jede Woche 3-Mal eine Stunde und sagt, dass eine Speedo 8 Monate hält. Am Strand trägt er weite Shorts. "Wenn du das Falsche trägst, bist du stigmatisiert. Man muss sich umgebungsgerecht anziehen, weil die Kleidung zeigt wer du bist. Die europäischen Männer haben aber kein Problem Speedos zu tragen."

Patrick Southard (44), ein gebürtiger Franzose aus der Normandie, ist stolzer Besitzer eines Dutzends knappster Speedos. "Ich denke, dass die Amerikaner sehr puritanisch sind in Bezug auf die Badehosen," sagt er. "Aber als Mann mit Selbstvertrauen kannst du mit dem Tragen der Speedos Selbstvertrauen markieren. Ohne Selbstvertrauen bleibst du am Besten im Wasser."

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