Anabole Steroide sind weit verbreitet – auch jenseits des Leistungssports

Von Pete Smith, Deutsche Ärztezeitung

Wenn derzeit in den Medien von Doping die Rede ist, dann geht es meist um gentechnisch hergestellte Präparate wie Erythropoetin oder Wachstumshormone, selten um Anabolika. Dabei sind anabole Steroide weit verbreitet – auch jenseits des Leistungssports. Eine kürzlich veröffentlichte Umfrage kam zu dem Ergebnis, dass jeder fünfte Freizeitsportler in Fitness-Studios Dopingpräparate, in der Regel Anabolika, konsumiert (die "Ärzte Zeitung" berichtete). Eine gefährliche Praxis. Denn die langfristigen Nebenwirkungen eines mehrjährigen Anabolika-Konsums betreffen auch Herz und Gefässe, wie kürzlich auf einer Informationsveranstaltung des Bundesinstituts für Sportwissenschaft (BISp) in Saarbrücken ausgeführt wurde.

Ergebnisse einer Studie sollen im Juli 2001 veröffentlicht werden

Professor Axel Urhausen, Verbandsarzt des Deutschen Ruderverbandes und Lehrbeauftragter am Institut für Sport- und Präventivmedizin der Universität Saarbrücken, hat die chronische Gesundheitsgefährdung durch Anabolika in einer durch das BISp geförderten Studie erforscht. Die Ergebnisse der Untersuchung sollen im Juli veröffentlicht werden, einige Details hat Urhausen auf dem Doping-Seminar in Saarbrücken vorgestellt.

Bekannt sind Nebenwirkungen wie Akne, Haarverlust, Vermännlichung bei Frauen oder Gynäkomastie bei Männern, von der über die Hälfte der regelmässigen Anabolika-Konsumenten betroffen sind. Bei Männern kann es zudem zu einer Hodenatrophie sowie einer Hemmung der Spermienproduktion kommen. Beobachtet worden sind zudem Prostata-Vergrösserungen bis hin zum Prostatakrebs. Bei Kindern und Jugendlichen, die Anabolika konsumieren, kommt es zu einem vorzeitigen Schluss der Wachstumsfugen mit der Folge von Kleinwuchs. Auch mögliche Schädigungen der Leber sind bekannt. Dies hänge jedoch von der Molekülstruktur der anabolen Steroide ab, so Urhausen. Manche Präparate seien so verändert worden, dass sie durch die Leber keine Wirkungsabschwächung erführen, das Organ jedoch schwer schädigten. Folgen seien blutige Zysten, Cholestasen bis hin zu Tumoren, die im Einzelfall auch bösartig sein könnten.

Die Nebenwirkungen anaboler Steroide auf die Psyche seien wissenschaftlich widersprüchlich, so Urhausen. Zwar fielen Anabolika-Konsumenten durch aggressives Verhalten auf. Doch gebe es hier keinen eindeutigen Zusammenhang zwischen Ursache und Wirkung. So hätten Studien beispielsweise eine höhere Risikobereitschaft bei Personen belegt, die häufig anabole Steroide nehmen: Sie fuhren öfter ohne Gurt und hatten häufiger als Normalbürger Geschlechtsverkehr ohne Kondome. Der Konsum von anabolen Steroiden hat erhebliche Nebenwirkungen auf Herz und Gefässe, wie Urhausen in seiner Studie festgestellt hat, an der 32 Männer beteiligt waren, von denen die Hälfte etwa vier Jahre, die andere Hälfte durchschnittlich etwa acht Jahre Anabolika konsumiert hatten. So komme es langfristig zu einem Lipidprofil, das Herz und Gefässe schädigt. Dies sei durch die Studie eindeutig belegt worden, so Urhausen: "Das gefässschützende HDL-Cholesterin wird abgesenkt, gleichzeitig steigt der Anteil des aggressiven LDL-Cholesterins an."

Durch Anabolika-Konsum kann es auch zu einem Vasospasmus kommen, führte Urhausen aus. "Dies könnte erklären, weshalb Personen einen plötzlichen Herztod erleiden, ohne dass man später in der Autopsie eine entsprechende Gefässverkalkung feststellen kann."

Herzwandverdickung nicht durch Krafttraining bedingt

Eindeutig belegt sei, dass es durch anabole Steroide zu einer linksventrikulären konzentrischen Hypertrophie komme. Die kardiale Wandverdickung sei "mit Sicherheit nicht ganz reversibel", so Urhausen. In der Studie habe man auch nachgewiesen, dass sie nicht durch das Krafttraining an sich, sondern eindeutig durch Medikamente bedingt sei. Beobachtet worden seien sowohl diastolische als auch systolische Funktionsstörungen.