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Anti-Doping-Agentur für Sydney zu spät

TA vom 4.11.99

Trotz anhaltender Kritik aus den USA wird am kom- menden Mittwoch die unabhängige Anti-Doping- Agentur gegründet.


Von Dieter Ringhofer

Neun Monate nach der Weltkonferenz über Doping im Sport wird am kommenden Mittwoch in Lausanne die unabhängige World Anti-Doping Agency (Wada) als Stiftung nach Schweizer Recht gegründet. Dies steht nach Gesprächen von IOK-Präsident Juan Antonio Samaranch mit den Vertreterinnen der Europäischen Union (EU), der finnischen Kulturministerin Suvi Linden, und des Europarates, der Luxemburgerin Viviane Reding, fest. Für die Olympischen Sommerspiele 2000 in Sydney allerdings kommt die Gründung bereits zu spät, denn bis zur Aktionsfähigkeit der Agentur werden nochmals Monate vergehen. Die Dopingbekämpfung vor und während der Olympischen Spiele 2000 wird wie bisher in der Verantwortlichkeit der internationalen Sportfachverbände und des Organisators, in diesem Fall der Australian Sports Drug Agency (ASDA), liegen.

"Die Australier leisten ausgezeichnete Arbeit", sagt IOK-Generaldirektor François Carrard. Allerdings werden auch sie Erythropoietin (Epo) und das Wachstumshormon HGH nicht nachweisen können. Die mit Geldern der EU und des IOK unterstützten Forschungsarbeiten haben für die vom Belgier Prinz Alexandre de Mérode geführte Medizinische Kommission des IOK bisher zu keinen vor den Gerichten standhaltenden Tests geführt. Das ist nach den noch vor wenigen Monaten getätigten optimistischen Äusserungen von Forschern und Funktionären ein herber Rückschlag. "Wir haben seit März keine nennenswerten Fortschritte gemacht", erklärte der britische Professor Peter Sönksen zur HGH-Forschung am 5. Sportwissenschaftlichen Kongress des IOK in Sydney.

Der Stiftungsrat der Anti-Doping-Agentur wird sich aus rund 30 Personen zusammensetzen. Namentlich werden diese auch am kommenden Mittwoch nicht alle bekannt sein. Mit der EU wurde vereinbart, dass Regierungs- und Sportorganisationen gleich stark vertreten und der temporäre Sitz der Agentur Lausanne sein sollen. So schnell wie möglich soll nach einer öffentlichen Ausschreibung der definitive Sitz der Agentur festgelegt werden. EU und Europarat beanspruchen je zwei Sitze, das IOK tendiert für sich auf drei. Samaranch wird für den Vorsitz nicht zur Verfügung stehen. In der seit Mai tätigen Arbeitsgruppe Doping waren neben den Sportorganisationen, der EU und dem Europarat auch Interpol, die Weltgesundheitsorganisation (WHO) und das Drogenprogramm der Vereinten Nationen (UNDCP), aber keine nationalen Regierungen vertreten. Letzteren sollen vier bis fünf Sitze reserviert werden.

McCaffrey droht mit Konsequenzen

Der Ärger von "Drogenzar" Barry McCaffrey rührt wohl vor allem daher, dass die Regierungen bisher nicht Teil der Arbeitsgruppe waren. Der Drogenpolitik-Direktor des Weissen Hauses in Washington drückte noch in der vergangenen Woche am EU-Sitz in Brüssel seine starken Zweifel an der Unabhängigkeit der Agentur aus und drohte, den Geldfluss zum IOK zu behindern: "In die olympische Bewegung fliessen zwei Milliarden Dollar, die den US-Gesetzen unterstehen." Zwei vereinbarte Termine mit den IOK-Exekutivkomiteemitgliedern Richard Pound und Jacques Rogge liess die McCaffrey-Behörde bisher platzen. "Mit allen andern Politikern hat sich der Umgangston seit der Konferenz im Februar stark verbessert", sagt Carrard. Damals waren die EU-Sportminister aus Deutschland, Frankreich, Grossbritannien und Italien noch sehr forsch aufgetreten. Jetzt haben sie sich wieder auf Konsens als Basis für alle Entscheidungen besonnen. So steht es in der Vereinbarung mit dem IOK.

Die erste Aufgabe des Stiftungsrates der Anti-Doping-Agentur wird es sein, einen Exekutivdirektor oder eine -direktorin zu finden. Die Fachleute werden dann auf der Basis der bestehenden IOK-Liste der verbotenen Substanzen ihr Arbeit beginnen. Sie sind für deren Anpassung ebenso zuständig wie für die Akkreditierung der Laboratorien und die Koordination der weltweiten Dopingtests. Möglich ist, dass funktionierende Strukturen von Sportfachverbänden bestehen bleiben.

Athleten fordern 20 000 Tests

Als Startkapital hat das IOK einen Betrag von 25 Millionen Dollar zur Verfügung gestellt. Bis die internationalen Organisationen und Regierungen ihre Beiträge leisten, wird es nämlich noch eine Weile dauern. Das IOK rechnet bei 5000 jährlichen Trainingskontrollen mit Untersuchungskosten von zwei Millionen Dollar und mit Spesen für die Kontrolleure von ebenfalls zwei Millionen Dollar. Allerdings hat die IOK-Athletenkommission bereits klargemacht, dass sie mit dieser Zahl nicht einverstanden ist. "Das Ziel muss sein, bis zu den Olympischen Spielen 2004 20 000 Athleten in das Kontrollprogramm einzubeziehen", erklärte der norwegische Eisschnelllauf-Olympiasieger Johann Olav Koss nach der letzten Sitzung in Athen. In unbestimmter Höhe bewegen sich die Ausgaben für die Forschung. Je mehr Geld dafür bereitgestellt wird, desto schneller könnten die Schlupflöcher geschlossen werden.



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