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Schweizer Katalog gegen Doping



Tages Anzeiger vom. März 1999



Von Werner Schweizer

Seit den Vorfällen an der letzten Tour de France ist die Dopingbekämpfung auch in der Sehweiz ein paar Schritte weitergekommen. Der Massnahmenkatalog, den die Fachkommission des Schweizerischen Olympischen Verbandes (SOV) an einer Medienkonferenz in Bern präsentierte, wird den Dopingmissbrauch nicht aus dem Spitzensport eliminieren. Aber er zeigt in die richtige Richtung. Der bekannte Davoser Sportarzt Beat Villiger zeigte sich von ihm jedenfalls sehr befriedigt.

Einige Forderungen wurden seit dem vergangenen Sommer umgesetzt, einige sind in Planung. So erfolgen die Kontrollen nicht mehr durch Funktionäre des jeweiligen Verbandes. Die gängigen Wettkampflkontrollen werden nicht mehr durch die Verbände veranlasst, sondern durch die Fachkommission, die jährlich 850 000 Franken in den Kampf investiert.

Die Trainingskontrollen mit 36-stündiger- Vorankündigung sind schon im Januar abgeschafft worden, dafür gibt es deutlich mehr der so genannten "on the spot"-Kontrollen ohne Vorwarnzeit, die auch Athleten in ausländischen Trainingslagern einbeziehen. In den ersten Monaten 1999 hatten zum Beispiel 60 Schweizer Elitefussballer in der Saisonvorbereitung Wasser zu lassen.

Es soll in Zukunft auch eine strikte Abmeldepflicht für Athleten bestehen, damit sie auch für Kontrolleure im Ausland jederzeit auffindbar sind. Zuletzt waren die italienischen Langläufer vor der WM zwei Tage lang in den Dolomiten "verschollen", während sie von Dopingfahndern gesucht wurden. Die Fachkommission droht mit harten Sanktionen gegen fehlbare Athleten, die bis zur Streichung der Sporthilfe-Gelder und zur Verweigerung einer Selektion für internationale Wettkämpfe gehen würden.

Einschränkung der Arztwahl?

Geplant ist eine Einschränkung der freien Arztwahl, die allerdings rechtlich schwer durchzusetzen sein wird. In diesem Bereich erwartet der SOV noch einige Aufruhr. Denn es sollen nur noch Ärzte zur Betreuung zugelassen sein, die der Gesellschaft für Sportmedizin (SGSM) angehören. In einzelnen Verbänden wurde zuletzt eine Art Kompromiss durchgesetzt: Die Athleten dürfen sich nach Wahl weiter von ihrem Hausarzt versorgen lassen, ermächtigen diesen aber mit ihrer Unterschrift zur Aufhebung des Arztgeheimnisses gegenüber dem Verbandsarzt.

Ein anderes Kapitel gilt den Sanktionen bei positiven Dopingkontrollen. Das zukünftige Strafsystem greift von zwei Seiten. In Planung ist eine zentrale Strafbehörde des SOV, dem 81 Verbände angeschlossen sind. Damit soll ein Ungleichgewicht im Strafmass vermieden werden. Der Staatsanwalt des Kantons Waadt, Jean-Marc Schwenter, ist inzwischen zum Delegierten für Dopingfälle ernannt worden. Schwenter geniesst Akteneinsicht und hat ein Rekursrecht.

Auf internationaler Ebene ist die Dopingagentur des tOK in Vorbereitung, die eine Vereinheitlichung des Strafmasses zum Ziel hat. Die staatlichen Schweizer Organe erhalten mit dem neuen Heilmittelgesetz, das diesen Monat in die Vernehmlassung ging, sowie dem Bundesgesetz für Turnen und Sport eine juristische Handhabe gegen Pfleger, Trainer und Gurus der Athleten kurz: gegen das Umfeld, das sie .mit verbotenen Mitteln versorgt. Es wird allerdings erst am 1. Juli 2000 in Kraft treten.

Wachstumshormone: Nachweis

Es ist anzunehmen, dass trotz der erhöhten Sensibilisierung für die Problematik und die Verschärfung der Sanktionen auch in Zukunft gedopt wird. Sportarzt Villiger gab bekannt, dass der Nachweis des Wachstumshormons aus dem Labor, eines der gängigen Dopingpräparate im Blut mittlerweile möglich sei, und stellte den gleichen Durchbruch bald auch für körperfremdes Epo in Aussicht.



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