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Der weitere Verlauf der Prozesse

11.2.2000 Verhängnisvolle Entwicklung am DDR-Doping-Prozess in München: Absprache im anstehenden Prozess gegen Ewald und Höppner.

Lediglich ein Verhandlungstag Anfang Mai im Prozess gegen Manfred Ewald und Manfred Höppner, die beiden massgeblichen Verantwortlichen im DDR-Staatsdoping? Wer glaubt, sich verhört zu haben, der irrt. Ewald, in der DDR der Vorsitzende des Deutschen Turn- und Sportbundes (DTSB), und Höppner, der Vizechef des Sportmedizinischen Dienstes (SMD), sind geständig. Geständig darin, die Verantwortung für das Verabreichen von mitunter persönlichkeitsverändernden Medikamenten an unwissende Kinder zu tragen. Doch der Straftatbestand heisst nicht etwa Kinderdoping, sondern Körperverletzung oder Beihilfe dazu. Manfred von Richthofen, der Präsident des Deutschen Sportbundes (DSB), sprach im Deutschlandfunk von einer "Verhöhnung aller DDR-Opfer", auch Julius Beucher, der Vorsitzende des Sportausschusses des Deutschen Bundestages, empörte sich. Eine Absprache von Justiz und Verteidigung sei bei der Schwere der Vergehen anrüchig. Kaum anders erging es Michael Lehner, der die Nebenkläger, folglich die Opfer, vertreten wollte und nun keine Gelegenheit haben wird, Anträge zur Beweisaufnahme einzubringen. Lehner sieht nach seiner Meinung das Vertrauen der Bürger durch einen solchen Deal eher gefährdet als durch eine Verfahrenseinstellung wegen enger Terminlage, die der Verzögerung der Verteidiger zuzuschreiben wäre. Denn bis zum 3. Oktober müssen alle laufenden Verfahren abgeschlossen sein. Sonst sind sie verjährt. Die Justiz bewegt sich auf einem heiklen Grat. Eine sichere Verurteilung riskieren zugunsten der Aufarbeitung von Unrecht in einer Diktatur? Letzteres ist nicht Aufgabe eines Gerichtes, doch es war genug Zeit, den Verantwortlichen den Prozess zu machen. Die Anzeigen, erstattet vom Molekularbiologen Werner Franke, datieren von 1991. Verantwortliche Trainer und Funktionäre kamen bisher mit Geld- oder Bewährungsstrafen davon, und auch im Fall Höppner/ Ewald wird es wohl mit einer Bewährungsstrafe getan sein. Aus moralischer Sicht ein Missstand, für den jedoch weder Staatsanwaltschaft noch Verteidigung verantwortlich zeichnen. Informationen zur Vorgeschichte Line element 12.1. 2000 Berliner Dopingprozess: Mit der bisher höchsten Strafe von 15 Monaten Haft auf Bewährung ist der insgesamt vierte Prozess um das systematische Doping in der früheren DDR zu Ende gegangen. Dieses Urteil erging gegen Lothar Kipke, den ehemaligen Verbandsarzt des DDR-Schwimmsport-Verbandes, am Mittwoch vor dem Berliner Landgericht. Der 72-Jährige hatte in dem nur eintägigen Verfahren eingeräumt, in 58 Fällen an der Vergabe anaboler Steroide für minderjährige Schwimmerinnen beteiligt gewesen zu sein. Kipkes Anwalt wird keine Revision einlegen. Die Haftstrafe ist für zwei Jahre zur Bewährung ausgesetzt, ausserdem muss Kipke 7.500 Mark an einen gemeinnützigen Verein zahlen und die Kosten des Verfahrens tragen. "Zufrieden kann man nach einem solchen Urteil nicht sein. Aber ich bin erleichtert, dass es vorbei ist", sagte Kipke anschliessend. Line element 12.1.2000 Tod eines Schwimmers. Juristische Auseinandersetzung um das Buch «Anklage: Kinderdoping». Der Widerstand gegen das Enthüllungsbuch über DDR-Doping, «Anklage: Kinderdoping» der Herausgeber Holger Schück und Hans-Joachim Seppelt, war in diesen Spalten angekündigt worden (NZZ 8. 1. 00). Und schon jetzt ist es soweit: Der Sportarzt Eberhard Köhler beantragte eine einstweilige Verfügung, an deren Ende möglicherweise ein Vertriebsstopp des Buches stehen könnte. Köhlers Person wird im Buch im Kapitel über den Tod des damals 17jährigen Schwimmers Jörg Sievers genannt, der an den Folgen einer Herzmuskelentzündung verstarb. Seppelt hatte den Fall Sievers schon vor zwei Jahren thematisiert: In einer Dokumentation der «ARD» suchte er Köhler in dessen Praxis auf. Der Mediziner mochte sich an den Namen des Schwimmers nicht erinnern. Später konnte Köhler gegenüber der «Leipziger Volkszeitung» mit dem Namen etwas anfangen, sagte jedoch, von einer Dopingvergabe nichts gewusst zu haben. Sievers starb am 17. Januar 1973. Wenngleich die Herausgeber Köhler nicht direkt bezichtigen, hinterfragen sie die Position des Sportarztes. Eine Verbindung zum Tode von Sievers hat Köhler nicht zuletzt seiner widersprüchlichen Aussagen wegen auch selbst hergestellt.

Insofern kommt die Beantragung einer einstweiligen Verfügung überraschend. Denn Köhler hatte nach der «ARD»-Dokumentation stillgehalten. Ebenso betroffen von einer einstweiligen Verfügung ist der Sporthistoriker Giselher Spitzer, der sich in verschiedenen Beiträgen mit Köhlers Person beschäftigt hatte. In einem Schreiben an Spitzer weist Köhlers Anwältin darauf hin, dass der Tod des Schwimmers die Folge einer «Herzmuskelentzündung» gewesen sei. Ein eher unfreiwillig komischer Hinweis, denn Dopingmittel können diverse Krankheitsbilder beschleunigen. Die Herausgeber erwägen nun eine Feststellungsklage, die es ihnen weiterhin erlaube, sich mit Köhlers Rolle im DDR-System zu befassen. [NZZ vom 12.1.00]

Johannes Weberling, der Anwalt der Herausgeber, ist sicher, dass es Köhler um blosse Ablenkung von anderen Tätigkeiten gehe. Aus Ermittlungskreisen soll bekanntgeworden sein, dass manche Indizien für Köhlers Verwicklungen ins Dopingsystem schon zu Magdeburger Zeiten sprechen. Und tatsächlich ist gegen Köhler ein Verfahren hängig. Am Dienstag bestätigte die Staatsanwaltschaft Leipzig auf Anfrage, dass gegen Köhler ein Ermittlungsverfahren wegen Körperverletzung laufe. Line element 28.12.1999 Berliner Dopingprozess: Ein früherer Spitzenfunktionär des DDR-Schwimmsports und zwei Cheftrainer sind am Mittwoch wegen systematischen Dopings von Sportlerinnen zu Bewährungsstrafen von jeweils einem Jahr verurteilt worden. Das Berliner Landgericht legte dem ehemaligen Generalsekretär des Deutschen Schwimmverbandes (DSSV), Egon Müller, sowie seinen Mitangeklagten Wolfgang Richter und Jürgen Tanneberger ausserdem Geldbussen von jeweils 5000 Mark auf. Die Angeklagten im Alter von 56 bis 73 Jahren hatten den Vorwurf der Körperverletzung in der nur dreistündigen Verhandlung gestanden. Auch Staatsanwaltschaft und Verteidigung hatten Bewährungsstrafen gefordert. Müller und die beiden früheren Cheftrainer des DSSV hätten zwischen 1975 und 1989 das Doping von Schwimmerinnen organisiert und ihnen anabole Steroide zum Muskelaufbau verabreichen lassen, hiess es im Urteil. Dabei sei in massiver Weise auf die Gesundheit junger Menschen eingewirkt worden, sagte der Vorsitzende Richter Peter Faust. Die Funktionäre hätten nahezu unabsehbare Langzeitfolgen bei den Sportlerinnen in Kauf genommen. Die Vergabe von Anabolika, besonders an Kinder, könne nicht anders als kriminell bezeichnet werden, sagte Faust. Aus der Sicht des Gerichts seien jedoch jene, die Dopingmittel direkt verabreicht hätten, härter zu bestrafen als die Organisatoren. In diesem ersten Verfahren gegen hohe Funktionäre des DDR- Schwimmsports ging es um insgesamt etwa 70 gedopte Schwimmerinnen, von denen 17 Strafantrag gestellt hatten. Line element 16.12. 1999 Neue Doping-Vorwürfe gegen Kristin Otto. Kristin Otto hat erneut mit Doping-Vorwürfe zu tun Berlin - über elf Jahre nach dem Gewinn ihren sechs Goldmedaillen bei den Olympischen Spielen 1988 in Seoul sind erneut Doping-Vorwürfe gegen DDR-Schwimmstar Kristin Otto erhoben worden. In dem neu erschienen Buch "Anklage: Kinderdoping. Das Erbe des DDR-Sports" der beiden Berliner Journalisten Hans-Joachim Seppelt und Holger Schück werden Auszüge aus dem Beweismittel des Strafbefehls gegen Horst Tausch veröffentlicht.

Demnach gibt der leitende Arzt des Deutschen Schwimmsport-Verbandes der DDR zu, 22 Schwimmerinnen - darunter auch Kristin Otto - im Zeitraum von 1985 bis 1989 gedopt zu haben. Die damals bereits volljährige Schwimmer müsste laut einer Anweisung von Verbandsarzt Lothar Kipke als erwachsene Person über die Vorgänge informiert gewesen sein. Otto dementiert, verbotene Mittel genommen zu haben Die jetzt beim Zweiten Deutschen Fernsehen (ZDF) tätige Journalistin hat immer wieder beteuert, nicht gedopt zu haben. Sie räumte lediglich ein, möglicherweise verbotene Mittel unwissentlich genommen zu haben. Tausch hatte gegen die Anklage vom 4. Juni 1999 keinen Einspruch eingelegt. Das Beweismittel war eine Liste der 22 gedopten Schwimmerinnen aus Berlin, Magdeburg, Erfurt, Leipzig, Rostock und Halle/Saale. Der in Erfurt tätige Mediziner wurde zu zehn Monaten Freiheitsstrafe auf Bewährung verurteilt. Zudem erhielt der Arzt eine Bewährungsauflage, sich bei den Schwimmerinnen zu entschuldigen. Kristin Otto bestätigte bereits am vergangenen Wochenende gegenüber dem Nachrichtenmagazin Focus, diesen Brief vor Monaten erhalten zu haben. Line element 16.10.1999 Der frühere Vizechef des Sportmedizinischen Dienstes der ehemaligen DDR (SMD), Manfred Höppner, muss 3.000 Mark Geldbusse zahlen, weil er im Jahr 1994 zu Unrecht rund 11.000 Mark Altersübergangsgeld vom Arbeitsamt Berlin-Mitte kassiert hatte. Mit dieser Entscheidung hat ein Berliner Amtsrichter das Verfahren wegen Betruges am Mittwoch eingestellt. Höppner, der sich vor Gericht durch seinen Anwalt vertreten liess, hatte den Schaden nach Anzeige des Arbeitsamtes sofort beglichen. Der 65-jährige frühere Sportmediziner hatte seinerzeit Kollegen in deren Praxen vertreten und gleichzeitig Gelder vom Arbeitsamt bezogen. Demnächst wird sich Höppner zusammen mit dem früheren Präsidenten des Deutschen Turn- und Sportbundes der Ex-DDR, Manfred Ewald, vor dem Berliner Landgericht wegen der Doping-Affäre verantworten müssen. Die Staatsanwaltschaft hat im September Anklage wegen Körperverletzung gegen die ehemaligen Sportfunktionäre erhoben. Beide werden beschuldigt, die systematische Vergabe von Doping-Mitteln an grösstenteils minderjährige Sportlerinnen konzipiert und realisiert zu haben. Durch Verabreichung von Hormonpräparaten sollen gesundheitliche Störungen bei über 100 Sportlerinnen aufgetreten sein. Line element 11.9.1999 Umstrittener Arzt Pansold entlassen. Der Olympia-Stützpunkt Obertauern war im letzten Jahr ins Gerede gekommen, weil dort der umstrittene ostdeutsche Sportarzt Dr. Bernd Pansold angestellt war, der zu DDR-Zeiten nachgewiesenermassen Dopingsubstanzen auch an SchwimmerInen verabreicht hatte. Auf Druck des österreichischen Skiverbandes musste er den Dienst quittieren. Laut Stützpunktleiter Heinrich Bergmüller sind aber nur Urinproben vorgenommen worden. Kontrolliert wurden neben Hermann Maier auch die beiden Techniker Heinz Schilchegger und Michael Walchhofer Line element 10.9.1999 Berliner Dopingprozess: Anklage gegen ehemalige DDR-Sportfunktionäre - Vorwurf der Beihilfe zur Körperverletzung. Gegen den langjährigen Präsidenten des Deutschen Turn- und Sportbundes der DDR (DTSB), Manfred Ewald, und den früheren Sportmediziner Manfred Höppner ist Anklage wegen ihrer Verstrickung ins flächendeckende DDR-Doping-System erhoben worden. Die Staatsanwaltschaft II beim Landgericht Berlin wirft Ewald und dem früheren stellvertretenden Direktor des Sportmedizinischen Dienstes der DDR (SMD) Beihilfe zur Körperverletzung in 142 Fällen vor. Betroffen sind Sportlerinnen aus den Bereichen Schwimmen und Leichtathletik. Ewald und Höppner sollen zwischen 1974 und 1989 an der Vergabe des Dopingmittels Oral- Turinabol beteiligt gewesen sein. Dieses soll bei den betroffenen Athletinnen gesundheitliche Folgeschäden wie tiefere Stimmen, vermehrte Körperbehaarung und Zyklusstörungen hervorgerufen haben. 32 Sportlerinnen hatten deswegen Strafantrag gestellt. Wann der Prozess beginnen wird, ist nach Angaben der Staatsanwaltschaft noch offen, das Verfahren dürfte jedoch spätestens im Winter aufgenommen werden. Mit der Anklage werden erstmals ein führender DDR- Sportfunktionär und ein Mediziner wegen ihrer angeblichen Beteiligung am organisierten Doping vor Gericht gestellt. Informationen über bisherige Gerichtsverfahren und -urteile Line element 11.7.1999 Die Regierung der BRD wusste bereits 1974, dass in der damaligen DDR Steroide im Sport eingesetzt wurden. Gemäss einer Reportage des Deutschlandfunk bekam damals die BRD Stasi-interne Papiere zugespielt, die das Doping und Warnungen vor Gesundheitsschäden erwähnten. Das Doping sei systematisch bei rund 10'000 AthletInnen eingesetzt worden und zwar bereits ab 1968. Line element 22.6. 1999 Berliner Doping-Prozess: Der Arzt und - zu DDR-Zeiten - Sportfunktionär Dieter Friedberg (56) wurde wegen Dopingmittelabgabe zwischen 1977 und 1984 an Minderjährige wegen einfacher Körperverletzung schuldig gesprochen und zu 6 Monaten Haft (bedingt, unter Bewährung) verurteilt. Dies ist das erste Urteil im Berliner Doping-Prozess mit Haftstrafe, bisher wurden nur Bussen von bis zu DM 45'000 gesprochen. Friedberg war der stellvertretende Direktor des sportmedizinischen Dienstes der DDR. Er wurde von 20 ehemaligen SchwimmerInnnen angeklagt. Line element 28.4.1999 Arbeitsgericht verlangt Wiedereinstellung des Trainers Volker Frischke durch den DSV. Frischke wurde nicht wegen der Anklage sondern wegen seiner Doping-Vergehen in der ehemaligen DDR entlassen (s. Bericht vom 14.9.98). Line element 23.4. In Sachen DDR-Staatsdoping soll weiter prozessiert werden



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