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Schwimm-Weltcup in Berlin 2000: Der Doping Skandal



Line element 6.2.2000 Doping-Skandal in Berlin: Der Schwimm-Weltcup in Berlin wird von einem Doping-Eklat überschattet. Die Teams aus Australien und den USA protestierten am Samstag gegen die nach ihrer Einschätzung mangelhafte Versiegelung der Doping-Proben und drohen mit Abreise. Bundestrainer Manfred Thiesmann droht noch mehr: Nach Angaben des Präsidenten des Deutschen Schwimm-Verbandes (DSV), Rüdiger Tretow, steht er vor dem Ausschluss vom Olympia-Team, wenn er tatsächlich den australischen Weltrekordler und Schwimm-Liebling Ian Thorpe des Dopings verdächtigt haben sollte. Diese angebliche Beschuldigung bildet auch den Hintergrund für das Misstrauen der Australier und Amerikaner in Berlin und die Empörung auf dem fünften Kontinent. Veranstalter Jürgen Greve vom DSV-Vermarkter SMS musste am Samstagabend die Berliner Polizei einschalten, die dann die Proben der Weltrekordler Thorpe und Lenny Krayzelburg (USA) mit Polizeisiegeln verschloss. USA und Australien drohen mit Abreise: Für die Doping-Tests ist der Weltverband FINA verantwortlich. Noch am Sonntagvormittag war ungewiss, ob die Amerikaner und Australier am Nachmittag in den Endläufen an den Start gehen würden. Krayzelburg, der mit seinem 100-m-Rücken-Weltrekord (51,28 Sekunden) für den bisherigen sportlichen Höhepunkt gesorgt hatte, wollte seine Doping-Proben bis zum Eintreffen der Polizei nicht aus den Händen geben. "Wenn es bis heute Nachmittag nicht die vom FINA-Protokoll vorgeschriebenen Aufbewahrungs-Container für die Proben gibt, treten wir und auch die Amerikaner nicht an", sagte der australische Cheftrainer Don Talbot. Auch eine erneute Versiegelung durch die Polizei ist für Talbot nicht mehr akzeptabel. Bundestrainer Thiesman sorgte in Australien für Aufregung "In dieser Atmosphäre wäre jede Nachlässigkeit nicht zu rechtfertigen." Prof. Eide Lübs von der Medizinischen Kommission der FINA versicherte dagegen, dass die Plastikbehälter für die A- und B-Proben den Regeln entsprechen und nicht zusätzlich versiegelt oder in einen versiegelten Container gepackt werden müssen. Obwohl der DSV nichts mit den Dopingtest zu tun hat, ist das nachhaltig gestörte Verhältnis zwischen den Australiern und Deutschen der Grund für den Streit. Zuletzt hatte Thiesmann im Olympia-Land für einen Aufschrei der Empörung gesorgt. Obwohl der Bundestrainer die Aussagen in einer persönlichen Erklärung bestritten hat, muss er mit einer Nichtnominierung rechnen. "Wenn er in irgendeiner Weise Verdachtsmomente geäußert hat, dann hat das Konsequenzen", sagte Tretow, "wenn das in Australien aufgebauscht wird, müssen wir uns überlegen, ob er dann als Trainer für Sydney nominiert wird." Es solle in jedem Fall möglicher Schaden für das gesamte deutsche Olympiateam abgewendet werden. Der "Sydney Morning Herald" verstieg sich in seiner Bewertung der angeblichen Thiesmann-Aussagen zu dem Begriff der "von den Nazis erfundene Lügentechnik". In einem Leserbrief an den "Daily Telegraph" in Sydney heißt es: "Dieser deutsche Trainer soll sich warm anziehen, wenn er bei den Spielen am Beckenrand auftaucht." Der 17-jährige Thorpe gilt als die größte Olympia-Hoffnung Australiens. Seine Leistungen werden weltweit als phänomenal eingeschätzt. Thorpe weist jeden Dopingverdacht entschieden zurück: "Ich weiß, dass gedopt wird. Aber ich weiß, dass ich nie etwas genommen habe. Doping ist unentschuldbar." Rücken-Weltrekordler Krayzelburg solidarisierte sich mit Thorpe. "Die Anschuldigung ist ziemlich lächerlich. Der Rest der Welt versucht zu lernen, wie Ian schwimmt. Es ist seine natürliche Fähigkeit, die ihn so sehr vom Rest der Welt unterscheidet." Australiens zweimaliger Olympiasieger über 1 500 m Kieren Perkins bewertete die Thiesmann-Äußerungen als "psychologische Kriegsführung". Terry Gathercole, Präsident des australischen Schwimm-Verbandes, sagte: "Es würde mich nicht wundern, wenn noch mehr solche Vorwürfe gegen unsere Schwimmer auftauchen. Die werden alles versuchen." (DPA) Line element 7.2.2000 Die Australier verlangen, dass Dopingtests von Berlin nicht gewertet werden. Die offiziellen Verfahren der FINA seien möglicherweise nicht eingehalten worden (s. Meldung von gestern). Line element 8.2.2000 Der Doping-Streit im Welt-Schwimmsport eskaliert weiter. Der australische Schwimmverband hat am Montag gefordert, die Berliner Dopingtests von Weltrekordler Ian Thorpe für ungültig zu erklären. Der Verband reagierte damit auf den seiner Meinung nach nicht regelkonformen Umgang mit Dopingproben beim Kurzbahn-Weltcup am vergangenen Wochenende.
Thorpe übt Kritik an deutschen Veranstaltern. Thorpe hatte zwischenzeitlich sogar erwogen, zu einem zweiten Test nach Großbritannien zu fliegen - eine deutliche Misstrauenserklärung an die deutschen Veranstalter. Der 17-Jährige hatte am Sonntag einen Fabel-Weltrekord über 200 m Freistil geschwommen. Die Australier hatten die Doping-Kontrollen in Berlin wegen angeblich mangelhafter Versiegelung der Proben hart kritisiert und sogar mit einem Boykott der Finals gedroht. Unterstützt wurden sie dabei von der amerikanischen Team-Leitung. Erst nach dem Einsatz von Polizisten zur Versiegelung und Bewachung der Proben lenkten Australier und Amerikaner ein.
Australier legten offiziellen Protest ein. Darüberhinaus legten die Australier am Montag offiziellen Protest beim Weltverband Fina in Lausanne ein. Die Proben waren am Montag in offenbar ordnungsgemäßem Zustand im Labor von Professor Klaus Müller in Kreischa eingetroffen. Das Analyseergebnis soll in etwa einer Woche vorliegen. "In einer Zeit, in der Doping so heiß diskutiert wird, darf man bei den Kontrollen einfach keine Laxheiten zulassen", polterte der bekannte australische Cheftrainer Don Talbot. Kritikpunkt der Schwimmer war die Art und Weise der Versiegelung und der Aufbewahrung der Dopingproben. Sie entsprachen zwar den Regeln des Weltverbandes Fina, sind vielerorts jedoch bereits durch weitere Sicherheitsmaßnahmen erweitert worden. "Hier stehen Karrieren auf dem Spiel, da dürfen wir einfach nichts riskieren", erklärte Talbot.
FINA: Doping-Kontrolle zulässig. Prof. Eide Lübs von der Medizinischen Kommission des für die Doping-Kontrollen zuständigen Welt- Schwimmverbandes FINA hatte keine Beanstandungen an den Berliner Kontrollen. "Wir haben kein Problem, wenn Schwimmwettbewerbe unter FINA-Regeln in den USA, Großbritannien oder Kanada stattfinden", sagte Australiens Verbandspräsident Terry Gathercole, "nur wenn wir in Europa sind, scheinen wir ein Problem zu haben." Er kündigte an, dies bei einem Treffen von Funktionären des Weltschwimmverbandes FINA in Malmö zur Sprache zu bringen.
Thiesmann Streitursache? Hintergrund des Eklats sind angebliche Beschuldigungen des deutschen Männer-Bundestrainers Manfred Thiesmann, der Australiens Olympia-Hoffnung Thorpe Zeitungsberichten zu Folge des Dopings verdächtigt haben soll. Thiesmann droht nach Angaben des Präsidenten des Deutschen Schwimm-Verbandes (DSV), Rüdiger Tretow, der Ausschluss vom Olympia-Team. "Wenn Thiesmann in irgendeiner Weise Verdachtsmomente geäußert hat, dann hat das Konsequenzen»", sagte Tretow, "wenn das in Australien aufgebauscht wird, müssen wir uns überlegen, ob er dann als Trainer für Sydney nominiert wird." Er habe zu keinem Zeitpunkt behauptet, dass ein Mitglied der australischen Mannschaft gedopt ist, sagte Thiesmann in einer persönlichen Erklärung. [DPA]

Line element Thorpe fliegt evtl. von Berlin nach London, um sich von unabhängiger Stelle auf Doping testen zu lassen. Der Test muss innerhalb von 24 Stunden nach dem WR gemacht worden sein, sonst wird er nicht anerkannt. Der australische Verband gelangt an die FINA, mit dem Antrag, das Dopingverfahren in Berlin zu untersuchen. Die Proben von mindestens 5 Schwimmern seien nicht richtig vor Manipulationen geschützt gewesen. Der Präsident des australischen Schwimmverbandes, Terry Gathercole, wirft den Deutschen Nachlässigkeit in der Dopongbekämpfung und beim Dopingtesten vor: "Sie haben einen Schulterzucken-Einstellung". Gathercole betonte, das sei das erste Mal, dass sich die Australier in Europa beklagten. Line element 9.2.2000 Thorpe fürchtet um seinen Weltrekord: Noch am Sonntag war er der gefeierte Star bei den Arena-Worldcups in Berlin. Mit 1:41,10 Minuten über 200 m Freistil hatte Ian Thorpe einen neuen Kurzbahn-Weltrekord aufgestellt. Doch jetzt muss der Australier um seinen Weltrekord bangen. Die internationale Dachorganisation Fina stimmte jetzt einer Aufforderung des australischen Verbandes nach einer Untersuchung des Prozederes bei den in Berlin genommenen Dopingproben zu, nachdem die Australier versucht hatten, die Entnahme wegen nicht regelkonformer Transportbehälter generell für ungültig erklären zu lassen.
Thorpes Weltrekord auf der Kippe. In diesem Fall besteht für den 17 Jahre alten Thorpe die Gefahr, dass seine Weltbestmarke nicht anerkannt wird. Denn die Fina-Regeln sehen eindeutig vor, dass es für die Ratifizierung einen gültigen Test geben muss. Der australische Schwimmverbands-Chef Terry Gathercole akzeptiert den möglichen Rekord-Verlust, sagte aber, es sei wichtiger, absolut regelkonforme Tests durchzuführen.
Unregelmäßigkeiten bei Urinentnahme. Die Verantwortlichen der Australier und der US-Schwimmer hatten während des Arena-Worldcups in Berlin moniert, dass die entnommenen Proben, unter anderem bei den Weltrekordlern Thorpe und Lenny Krayzelburg (USA), in Behältern zum Labor transportiert wurden, die ihrer Meinung nach nicht mehr erlaubt sind. Erst nachdem die Proben unter Polizeiaufsicht gestellt wurden, wichen Australier und US-Amerikaner von ihrer Drohung ab, die Endläufe des zweiten Tages zu boykottieren. Line element 1.3.2000 Dopingtests in Berlin waren regulär. Die umstrittenen Doping-Kontrollen beim Schwimm-Weltcup Anfang Februar in Berlin sind nach Erkenntnis des Weltverbandes FINA völlig regulär abgelaufen. Es habe "keine Verletzung der FINA-Doping-Kontrollbestimmungen gegeben, weder durch den Medizinischen Delegierten der FINA noch durch irgendjemand anderen", teilte die FINA am Mittwoch in einer Presseerklärung aus Lausanne mit. Nach Prüfung mehrerer schriftlicher Berichte von FINA- Funktionären sowie beteiligten Schwimmern und Trainern sei die Exekutive zu dem Schluss gekommen, "dass keine Maßnahmen in dieser Angelegenheit unternommen werden müssen". Berliner Weltrekorde offiziell. Damit sind auch die in Berlin aufgestellten drei Weltrekorde offiziell: Neue Kurzbahn-Bestmarken hatten der Australier Ian Thorpe über 200 m Freistil (1:41,10 Minuten), der Amerikaner Lenny Krayzelburg über 100 m Rücken (51,28 Sekunden) sowie über 200 m Rücken (1:52,43 Minuten) aufgestellt. Alle Dopingtests waren negativ ausgefallen. Unmittelbar nach dem Weltcup-Meeting hatte Terry Gathercole als Präsident des australischen Schwimm-Verbandes eine Annullierung der Doping-Kontrollen gefordert. Thorpe und Krayzelburg hatten die IOC- zugelassenen Behälter moniert und waren erst nach einem Polizeieinsatz bereit, ihre Urinproben abzugeben, die von der Berliner Polizei in einem Container amtlich versiegelt wurden.



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