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Wie funktioniert EPO / Erythropoietin im Doping?

© Felix Gmünder, Schwimmverein Limmat Zürich

 

1. November 2008

Erythropoietin, abgekürzt Epo genannt, ist ein körpereigenes Hormon. Es wird in den Nieren produziert und gelangt von dort über dei Blutbahnen ins Knochenmark. Im roten Knochenmark werden die roten (und weissen) Blutkörperchen gebildet. EPO regt die Produktion roter Blutkörperchen an. Als Träger des Hämoglobins sind die roten Blutkörperchen für den Sauerstofftransport von den Lungenblächen (Alveolen) ins Gewebe verantwortlich. Je mehr rote Blutkörperchen vorhanden sind, desto mehr Sauerstoff gelangt beispielsweise in die Muskeln; daraus resultiert eine höhere Leistungsfähgigkeit im Ausdauerbereich (20 - 30 Minuten Dauer). EPO wird deshalb im Ausdauerbereich als Dopingmittel eingesetzt.

Bevor man EPO kannte, wurde die Zahl der roten Blutkörperchen durch sog. "Blutdoping", d.h. einer Bluttransfusion mit dem eigenen Blut, erhöht. Blutdoping wurde mit den Olympiasiegen des finnischen Langstrecklers Lasse Viren bekannt (1972). In der Höhe (ab ca. 1800 m) wird die Produktion von roten Blutkörperchen durch die körpereigene Bildung von EPO angeregt. Es resultieren ebenfalls erhöhte Erythrozyten-Konzentrationen. Die Zahl der roten Blutkörperchen wird mit dem Hämatokritwert auf einfache Weise bestimmt (Abzentrifugieren der Blutzellen und Bestimmung des Anteils der Blutkörperchen in %).

Ursprünglich wurde EPO eingesetzt, um Nierenkranken zu helfen. Vor allem Patienten, die an einer Dialyse hängen, profitieren von Epo. Wegen des Nierenversagens produziert der Körper kaum noch eigenes Erythropoietin mit zunehmender Blutarmut als Folge. Bevor man EPO als Medikament einsetzen konnte, erhielten diese Patienten immer wieder Bluttransfusionen, manchmal bis zu 100 pro Patient. Das Risiko, sich dabei mit Hepatitis- oder ähnlichen Viren zu infizieren, war gross.

Anfang der achtziger Jahre gelang es dann, Erythropoietin gentechnisch herzustellen (= rekombinantes EPO oder rEPO). Das heisst, das künstlich hergestellte EPO unterscheidet sich in praktisch keiner Weise vom natürlichen, körpereigenen. 1990 Jahren wurde das Medikament zugelassen. Für die Dialysepatienten bedeutete das neue Präparat einen enormen Zugewinn an Lebensqualität. Sie litten nicht mehr an Blutarmut, die Transfusionen wurden überflüssig.


Neue Informationen über EPO

8.11.2008. Epo-Doping funktioniert wohl anders als bisher gedacht. Mehr Hämoglobin - mehr Sauerstoff - mehr Leistung. So einfach funktioniert ErythropoetinDoping nicht, meinen zwei Sportmediziner. Die maximale Sauerstoffaufnahme korreliere bei gesunden Personen nicht oder nur schwach mit der Hämoglobin-Konzentration und dem Hämatokritwert, so die Professoren Dieter Böning aus Berlin und Norbert Maassen aus Hannover. Möglicherweise hätten die vorgeschriebenen Obergrenzen für Hb oder Hk bei Sportlern sogar einen unbeabsichtigten Effekt, nämlich dass Epo-Doper den optimalen Wert besser treffen, als wenn sie hemmungslos die hämatologischen Laborparameter in die Höhe treiben würden. Äthiopische und kenianische Läufer und Läuferinnen gehören seit Jahren zu den schnellsten der Welt. Äthiopier leben seit Jahrtausenden in großer Höhe. Bei ihnen steigt der Hb im Hochland kaum an und sie sind trotzdem leistungsfähig. Auch bei Kenianern ändern sich die Hb-Konzentrationen kaum, egal ob sie sich in 2100 m Höhe befinden oder im Flachland. Kommt dagegen ein europäischer Sportler von seinem Höhentraining, finden sich regelmäßig abfallende Hb-Werte. "Daher kann eine eventuelle Verbesserung ihrer Leistungsfähigkeit in Normoxie nicht mit dieser Größe zusammenhängen", argumentieren Böning und Maassen in der "Deutschen Zeitschrift für Sportmedizin" (7-8, 2008, 175). Auch Ausdauertraining mit Zunahme der maximalen Sauerstoffaufnahme führe zu einer leichten Absenkung des Hb. Zudem nützt ein gesteigerter Sauerstoffgehalt des Blutes nichts, wenn die Durchblutung abnimmt. Genau das passiert jedoch, wenn der optimale Hämatokrit überschritten wird: Die Viskosität des Blutes nimmt zu, und das Herz kann die zunehmende Pumpleistung nicht mehr aufbringen. Wo der optimale Hk beim Menschen liegt, ist unbekannt. Er dürfte jedoch nach Ansicht von Böning und Maassen unter 50 Prozent liegen, vor allem wegen der im Vergleich zu Tieren, die für Leistungsvergleiche herangezogen werden, größeren Erythrozyten. Es sei denkbar, dass in der Evolution des Menschen ein suboptimaler Wert selektiert wurde, weil ansonsten das Thromboserisiko und damit die Sterbewahrscheinlichkeit größer sind, meinen die Sportmediziner. Helfen also die Anti-Doping-Vorschriften mit Bezug auf hämatologische Grenzwerte indirekt den Dopern, weil das Sauerstoffangebot an die Muskulatur bei Hk-Werten über 50 bis 60 Prozent abnimmt? Zumindest sind es wohl andere Faktoren als die genannten Laborparameter, die beim Epo-Doping wirken:
  • Epo verbessert die Sauerstoffabgabe an das Gewebe. Das könnte den bei Ausbelastung stattfindenden Abfall der arteriellen O2-Sättigung verlangsamen.
  • Der Anteil junger Erythrozyten mit guten funktionellen Eigenschaften (Verformbarkeit, Enzymaktivität, Sauerstoffbindungskurve) erhöht sich. Nach Absetzen von Epo verschlechtert sich allerdings die Erythrozytenqualität wieder, und zwar innerhalb weniger Tage.
  • Die vasokonstriktorische Wirkung von Epo oder auch die erhöhte Hb-Konzentration könnte die Kreislauffüllung bessern. Langfristig fördert Epo die Gefäßbildung.
  • Epo schützt Erythrozyten gegen Radikale und das Hirn vor Hypoxie.
Nicht vergessen werden sollten auch ein gewisser Placeboeffekt sowie eine stimmungsaufhellende Wirkung, meinen Böning und Maassen. Von diesen Erkenntnissen erhoffen sie sich einen gewissen Anti-Doping-Effekt. Denn die Zunahme der Hb-Konzentration sei eben nicht grundsätzlich leistungsfördernd, so Böning zur "Ärzte Zeitung". Und eine hohe Dosierung von Epo sei nicht nur gesundheitsschädlich, sondern könne die Leistung sogar mindern.

6.4.2002 Für immer abhängig von Blutspenden. Durch Doping können aus gesunden Sportlern Nierenkranke werden, die zeitlebens auf Bluttransfusionen angewiesen sind. Darauf weist die Medizinerin Nicole Casadeval aus Paris hin. Sie hat in einem Untersuchungszeitraum von drei Jahren 13 nierenkranke Patienten ermittelt, die Antikörper gegen rekombinantes, also gentechnisch erzeugtes Erythropoietin (Epo) gebildet haben. Das bedeutet, dass auch bei exogener Epo-Gabe keine roten Blutkörperchen im Knochenmark gebildet werden können. Für diese Patienten mit ausgeprägter Blutarmut kann dadurch eine lebenslange Abhängigkeit von Bluttransfusionen entstehen. Gefährdet sind auch Gesunde, die etwa zum Zweck der Leistungsmanipulation Epo illegal anwenden. (FAZ)

19.2.2002 900 EPO-Kontrollen in Salt Lake City. Nach Sydney 2000 werden Athleten bei den Winterspielen in Salt Lake City zum zweiten Mal auf Erythropoietin (EPO) getestet. 900 Kontrollen sind bis Ende der Spiele vorgesehen. Das Kontrollverfahren kombiniert einen Blut- und einen Urintest. In dem für die Spiele eingerichteten Doping-Labor kommt dabei das Advia 120 Hämatologie System der Bayer AG zum Einsatz. Das Diagnostika-System wird in der Medizin zur Bestimmung von Blutbildern, etwa bei der Anämie- und Leukämie-Diagnostik sowie beim Dialyse-Therapie-Monitoring eingesetzt. Sind bestimmte Parameter im Blut des Athleten auffällig (etwa Hämatokrit oder EPO-Serumspiegel), wird er zur Urinprobe gebeten. Ein auf Urintests basierendes direktes Nachweisverfahren existiert seit zwei Jahren, ist aber vom IOC nur in Kombination mit dem Bluttest anerkannt. Auf EPO getestet werden während der Winterspiele Athleten in den Ausdauersportarten Biathlon, Nordische Kombination, Ski-Langlauf und Eisschnell-Lauf. Bei den Sommersportarten gehört auch Schwimmen zu den gefährdeten Sportarten (Mittel- und Langstrecken, Open Water). (Smi) Siehe auch Info über NESP oder Darbepoietin alfa.

6.2.2002 Der genmanipulierte Sportler nicht mehr länger nur Utopie (NZZ, 6.2.2002) Alle haben darüber spekuliert, wann es den genmanipulierten Sportler geben wird. Jetzt ist er da. Zumindest hat das US-Patentamt am 4. Dezember 2001 mit dem Patent Nr. 6 325 998 den Doktoren Gregory Podsakoff und Gary Kurtzman das Patent erteilt auf ein Verfahren, dank dem Sportler, die es mit der Fairness nicht so genau nehmen, nicht mehr mühsam, regelmässig und teuer EPO injizieren müssen, sondern durch Veränderung der eigenen DNA die Fähigkeit einer dauerhaft erhöhten EPO-Produktion erzielen können.

Erythropoietin (EPO) ist seit Anfang der neunziger Jahre die Modedroge der Ausdauersportler. EPO wird in der Niere gebildet und regt das Knochenmark an, rote Blutkörperchen zu bilden. Es wird daher in der Therapie von Anämie verwendet, die zum Beispiel bei Nierenkrebs und Aids auftreten kann. Künstliches EPO wird durch Genmanipulation hergestellt. An den Olympischen Spielen von Sydney wurde zum ersten Mal mit einem direkten Nachweisverfahren danach getestet. Inzwischen ist mit Aranesp eine Weiterentwicklung auf dem Markt, für die die Olympischen Winterspiele gerade recht kommen, weil man mit einem Nachweisverfahren erst gegen Ende 2002 rechnet.

Der amerikanische Pharmazeutika-Gigant Amgen, der grösste biotechnologische Konzern der Welt in Thousand Oaks bei Los Angeles, wird an dem neuen Produkt sicher eine Weile seine Freude haben, da es sich in der klinischen Therapie als einfacher und sicherer herausgestellt hat als EPO, bei dem es in der Anfangszeit zu vielen Fehldosierungen gekommen ist. Nun aber hat Avigen Inc. das Patent für die Genmanipulation erhalten. Avigen verwendet hierzu einen kleinen harmlosen Virus, den sogenannten Adeno-Associated Virus (AAV), um das therapeutische Gen zu implantieren. Hierzu werden die Gene des AAV entfernt und die therapeutischen Gene eingesetzt. AAV wird dem Patienten oder dem Sportler injiziert, dessen Zellen sich darauf in kleine «Fabriken» verwandeln, um das gewünschte Protein zu erzeugen. Während Amgen EPO und Aranesp in der Fabrik produziert und verkauft, lässt Avigen es jeden Menschen selbst produzieren. Avigen Inc. ist eine Aktiengesellschaft in Alameda, Kalifornien. Sie wird an der Nasdaq als AVGN gehandelt.

Eigentlich ist die Denkart ganz einfach: Wenn man EPO durch Genmanipulation erzeugen kann, warum kann man dann nicht den Körper von Säugetieren bis hin zum Menschen dazu bringen, durch Genmanipulation auch selbst mehr EPO zu erzeugen. Das Patent wurde auf das Verfahren, bei dem Viren injiziert werden, und auf die besonders manipulierten AAV-Viren zum Zwecke der möglichen Bekämpfung von Anämie erteilt. Bewirkt wird eine erhebliche Zunahme der körpereigenen EPO-Produktion, für dessen «Angeborenheit» der Sportler bloss noch eine ärztliche Bescheinigung braucht. Eine reine Formsache, wie ein Beispiel zeigt: Als in Athletenkreisen bekannt wurde, dass das Asthmamedikament Salbutanol erhebliche leistungssteigernde Wirkungen hat, wurden sehr viele Sportler registrierte Asthmatiker, an der Schwimm-WM in Australien z. B. 100% der britischen Mannschaft.

Arnd Krüger

31.8.2001 Die FINA lässt endlich EPO-Test zu. Lange hats gedauert, bis sich die FINA für die Einführung der EPO-Tests überwunden hat. Zu ungenau seien die Proben, wissenschaftlich nicht ausreichend abgesichert. Eine international unhaltbare Position. Jetzt hat der Verband auf die anhaltende Kritik reagiert und wird an diesem Wochenende im Rahmen der Goodwill Games in Brisbane Dopingtests auf das die Ausdauerfähigkeiten verbessernde EPO vornehmen. Damit stösst er sowohl bei Australiens Ausnahmeschwimmer Ian Thorpe als auch bei dessen Verband auf ein positives Echo. "Ich hasse es, wenn mein Blut mit einer Nadel entnommen wird, aber wenn das dazu beiträgt, unseren Sport sauber zu halten, dann bin ich mehr als glücklich, meinen Arm hinzuhalten", meinte der mehrmalige Olympiasieger und Weltmeister. Auch der amerikanische Verband befürwortet die Bluttests, moniert aber den späten Zeitpunkt. Allerdings möchte die Fina vor Abnahme der Proben grundsätzlich das Einverständnis der Aktiven einholen. David Gerrard, Vorsitzender der Medizinischen Kommission der Fina, geht allerdings davon aus, dass sich kein Sportler gegen eine Blutabnahme wehren wird. Da die Teilnehmer zu Beginn der Wettkämpfe darüber informiert worden waren, dass auf Bluttests verzichtet würde, wolle man mit der Abnahme erst am Wochenende beginnen, so Gerrard. Zur Anwendung kommt die sogenannte "australische Methode", eine Kombination aus Urin- und Bluttest.

11.7.2001 Im Epo-Kampf scheint der Durchbruch kurz bevor zu stehen: "Die Chancen stehen gut, dass wir schon Ende Juli einen simplen Urin-Test freigeben können, mit dem die künstliche Epo-Einnahme zweifelsfrei nachzuweisen ist. "Zusätzliche Blutproben könnten dann entfallen", erklärte Patrick Schamasch, Medizinischer Direktor des Internationalen Olympischen Komitees (IOC), in Moskau. Vier IOC-Labors (Sydney, Paris, Barcelona, Lausanne) befinden sich in der Endphase ihrer Untersuchungen. Der Radsport-Weltverband UCI hatte als Vorreiter bereits zum 1. April die Urin-Testmethode als alleinigen Nachweis genehmigt. Sie werden auch bei der laufenden Tour de France vorgenommen. Nun will das IOC schnell nachziehen. Die Urin-Tests sollen bei den Winterspielen von Salt Lake City 2002 allein zur Überführung dienen. In Sydney wurde noch die "Doppelkontrolle" angewandt. Von den letztjährigen Sommerspielen gab der Franzose "erstaunliche Zahlen" bekannt. Von dort überprüften 2052 Athleten, deren Fragebögen speziell (aber anonym) ausgewertet wurden, hatte jeder in den letzten drei Tagen vor dem Dopingtest im Schnitt sechs bis sieben "Zusatzsubstanzen" eingenommen. Einer brachte es sogar auf 29 "Mittel aller Art", wobei Schamasch klarstellte: "Es handelte sich durchgehend um Substanzen, die nicht auf der Dopingliste stehen. Am meisten wird Kreatin genommen, gefolgt von Antibiotika, Vitaminen und Nahrungsergänzungsmitteln aller Art. Über den Umfang, mit dem im Spitzensport alles konsumiert wird, was der Markt anbietet, kann ich mich nur wundern." Weil gerade Kreatin "mit dem Nandrolon-Problem eng zusammenhängt", hat das IOC eine weltweite Suche nach Nandrolon in Zusatznahrung gestartet. Schamasch: "Unsere Labors sind dabei, 600 Produkte zu überprüfen, die auf allen Kontinenten gekauft worden sind." Auch dem Wachstumshormon HGH will das IOC endlich zu Leibe rücken: "Wir haben einen Forschungsauftrag für zwei Jahre an die Uni München vergeben, die dafür 425.000 US-Dollar erhält. Der Vertrag ist unterzeichnet." Damit kann das von Prof. Christian Strasburger entwickelte Verfahren verfeinert werden. Noch vor Sydney hatte das IOC die Methode abgelehnt, nun ist man umgeschwenkt. Schamasch: "Wir hoffen schon bis Jahresende auf erste Zwischenergebnisse." Auch der "Asthma-Flut" von Spitzenathleten will das IOC einen Riegel vorschieben. Schamasch: "In Salt Lake City reicht keinem Olympiastarter mehr ein Attest seines Hausarztes. Wir verlangen die detaillierten ärztlichen Unterlagen und werden zumindest teilweise den Sportler noch einmal untersuchen, bevor er Startrecht erhält."

29.6.2001 Das Schreckgespenst der genmanipuluerten SportlerInnen rückt näher: Der Leiter des Doping-Kontrolllabors in Kreischa, Klaus Müller, erwartet die Manipulation menschlichen Erbgutes zur Leistungssteigerung frühestens in einem Jahr. "Ich halte es nicht für ausgeschlossen, dass es in einem Jahr kommt, aber vielleicht auch erst in fünf Jahren", erklärte der Wissenschaftler. Massnahmen zur Verhinderung von Gen-Doping und dessen Aufdeckung sind indes bereits weit fortgeschritten: "Es ist nicht so, dass wir immer hinterherhinken. Gen-Doping gibt es nach unserer Einschätzung noch nicht. Deswegen haben wir eine Art Vorwärtsverteidigung auf dem Gebiet, weil das sicher kommen wird", berichtete Müller. Bislang ist die Veränderung des Erbgutes nicht auf der Dopingliste. Allerdings existiert schon ein fertiger Text, der in der Rubrik "verbotene Methoden" neben Blutdoping, Verabreichung künstlicher Sauerstoff-Träger und jegliche Manipulation des Urins als Punkt vier eingefügt wird. Müller: "Gen-Doping ist in absehbarer Zeit definitiv verboten." Für die weitere Erforschung der erwarteten Entwicklung stehen den Wissenschaftlern aus dem Fonds der Welt-Anti-Doping-Agentur (WADA) voraussichtlich 1,5 Millionen Dollar (rund 1,74 Millionen Euro/3,41 Millionen Mark) zur Verfügung. Für Müller ein Beleg dafür, dass vom Gen-Doping eine reale Gefahr für den Sport ausgehen kann. "Wir nehmen es ernst. Was für therapeutische Zwecke möglich ist, wird alsbald auch missbraucht", sagte er. Anwendung könnte die Methode vornehmlich bei Blutbildung finden, um mehr körpereigenes Erythropoietin (EPO) zu erzeugen. Dies wäre dann im Gegensatz zum künstlich hergestellten EPO nicht mehr nachweisbar. Eine zweite Einsatzmöglichkeit wäre die Förderung des Muskelwachstums. Voraussetzung für Genmanipulation im Sport ist die Erbgut-Veränderung zu medizinischen Zwecken, um Erbkrankheiten behandeln zu können. Davon aber scheint die Wissenschaft noch weit entfernt. "Die Erwartungen haben die Erfolge bei weitem übertroffen. Es gibt nicht eine einzige erfolgreiche Methode zur Krankheitsbehandlung", urteilte Müller. Zudem stellte er möglichen Betrügern mit Gen-Doping eine schnelle Überführung in Aussicht: "Es lässt sich nichts so empfindlich nachweisen wie eine Genmanipulation. Wenn man weiss, was verändert worden sein muss, weil eine bestimmte Wirkung erzielt wurde, kann das mit einer DNA-Analyse nachgewiesen werden."

2.2.2001 Der ganz normale Rinderwahnsinn im Doping: Das Kälberblut-Medikament Actovegin auf der Dopingliste - ein vorerst wirkungsloses Verbot. Ein neuer Medikamentenname taucht am Doping-Horizont auf: Actovegin. Aus Kälberblut gewonnen, hilft es an Arterienverkalkung leidenden Menschen - oder Sportlern, die die Zirkulation ihres durch EPO-Gebrauch verdickten Blutes ankurbeln müssen.

1.2.2001 Tierisch gut. Das Kälberblut-Medikament Actovegin auf der Dopingliste - ein vorerst wirkungsloses Verbot.

9.12.2000 EPO-Spiele auch in Sydney?


14.10.2000 Neues Dopingmittel gefunden gefunden. Nach Angaben des Sportwissenschafters Sandro Donati ist die Nachfolgesubstanz des Dopingmittels Erythropoietin (EPO) gefunden. Die Substanz Oxyglobin erhöht ebenfalls die Anzahl roter Blutkörperchen, hat aber gegenüber EPO den Vorteil, dass der Hämatokritwert nicht angehoben wird. In mehreren Verbänden wird, sofern die Festkörper im Blut einen Wert von 50 überschreiten, eine Schuztsperre ausgesprochen. Mit Oxyglobin laufen die Professionals keinerlei Gefahr mehr, wegen dieses Wertes aus dem Verkehr gezogen zu werden.


30.8.2000 Frohe Kunde aus Lausanne? Die IOK-Exekutive segnet die beiden EPO-Nachweis-Verfahren ab. [nzz./(si)] Nach vorgängiger Zustimmung einer juristischen Expertengruppe des Internationalen Olympischen Komitees (IOK) - das medizinische Fachgremium hatte bereits vor Wochen seine Zustimmung kundgetan - hat nun am Montag in Lausanne auch die IOK-Exekutive grünes Licht für die erstmalige Einführung von EPO-Tests an Olympischen Spielen gegeben. Damit werden in Sydney die in den Forschungslabors von Paris und Canberra entwickelten Nachweisverfahren parallel zur Anwendung gelangen. Es handelt sich dabei um eine Kombination von Blut- (indirekte Methode) und Urintests (direkte Methode), wobei es nur dann zu Sanktionierungen kommen soll, wenn beide Methoden das gleiche Ergebnis (positive Dopingprobe) mit sich bringen. "Die Kombination von Blut- und Urintests gibt den Fahndern hundertprozentige Sicherheit im Nachweis von EPO", sagte IOK-Exekutivmitglied Jacques Rogge am Lac Léman gegenüber den Nachrichtenagenturen. Im Weiteren ist anlässlich der IOK-Exekutivsitzung bekannt geworden, dass mit den Städten Peking, Paris, Toronto, Istanbul und Osaka nur mehr fünf Kandidaten im Rennen um die Vergabe der Olympischen Sommerspiele 2008 verbleiben. Dagegen haben sich die Hoffnungen von Bangkok, Havanna, Kairo, Kuala Lumpur und Sevilla zerschlagen. Der Entscheid über den Austragungsort der Sommerspiele 2008 wird am 16. Juli 2001 an der IOK- Session in Moskau gefällt. Euphorische Worte wie jene des belgischen Mediziners und Anwärters auf eine Nachfolge von Juan Antonio Samaranch als IOK-Präsident, Rogge, lassen aufhorchen. Kritische Szenenkenner, unter anderen der im Lausanner Antidoping-Labor tätige Martial Saugy sowie der an der Universitätsklinik von Nancy wirkende Patrick Laure, liessen nämlich schon vor mehreren Wochen verlauten, dass trotz berechtigtem Hoffnungsschimmer das Dopen mit synthetisch hergestelltem EPO noch längst nicht ad acta gelegt werden kann. Die IOK-Exekutive sieht in der kombinierten Anwendung der unterschiedlichen Testverfahren zwar eine doppelte Absicherung, viel eher müsste aber von einer sportpolitischen Kompromisslösung gesprochen werden. Dies primär deshalb, weil ein positiver Dopingbefund auf Grund einer in Sydney genommenen Blutprobe nur dann Wirkung zeigt, wenn sich der Verdacht letztlich auch in der gleichzeitig angeordneten Urinprobe spiegelt. Und dies muss bei weitem nicht der Fall sein, weiss man doch, dass die zeitliche Nachweisbarkeit von künstlich zugeführtem EPO bei beiden Verfahren deutlich voneinander abweicht. Somit ist allenfalls eine gegenseitige Aufhebung der Ergebnisse zu befürchten, von einer doppelten Versicherung kann nicht die Rede sein.


6.8.2000 Experten in Dänemark warnen vor einer Welle von nicht nachweisbarem Doping durch Genmanipulation. Der Chef der Fachkommission "Anti-Doping Dänemark", Bengt Saltin, meinte am Montag in der Kopenhagener Zeitung "Politiken", man müsse nach erfolgreichen Tierversuchen mit Muskelwachstum und zu veränderter Blutzusammensetzung durch künstliche Genveränderung in etwa zwei Jahren mit "Gen-Doping" bei Sportlern rechnen. Saltin verwies auf die Verdoppelung der Muskelmasse bei der genetisch manipulierten belgischen Zuchtkuh "Belgian Blue". Bei Affen sei es Wissenschaftlern geglückt, genetisch die Produktion des Blutdopingstoffes EPO in Gang zu setzen. Sowohl genetisch gefördertes Muskelwachstum wie Genmanipulationen im Blut funktionierten als Gendoping gut, bereiteten den Betroffenen aber "gewisse Probleme", meinte der Däne. So führten übergrosse Muskeln zu Überbelastungen von Knochen, Sehnen und Gelenken. Bei den Versuchen mit Affen sei es den Wissenschaftlern noch nicht gelungen, die Produktion von EPO wieder zu stoppen, so dass die Tiere permanent den gesundheitsgefährdenden Hämatokritfaktor 60 hätten. Der Chef der dänischen Radfahrunion, Jesper Worre, erklärte: "Man muss befürchten, dass einige Fahrer derartige Eingriffe vornehmen lassen, obwohl sie die kurz- und langfristigen Nebenwirkungen nicht kennen." Er verlangte ein Eingreifen auf Regierungsebene.


14.6.2000 Doch noch ein Dopingtest für Sydney 2000? Neue Nachweisverfahren für EPO. Seit der berüchtigten Tour de France 1998, als zahlreiche Sportler zugeben mussten, EPO benutzt zu haben, fiebern Wissenschafter danach, eine Nachweismethode für dieses Dopingmittel zu entwickeln. In der vergangenen Woche sind in der wissenschaftlichen Fachliteratur gleich zwei neue Tests vorgestellt worden. Ob diese bereits bei den Olympischen Spielen in Sydney zum Einsatz kommen werden, ist allerdings noch offen. EPO (Erythropoietin) ist ein körpereigenes Hormon, das die Bildung der roten Blutkörperchen ankurbelt. Die gentechnisch hergestellte Version wurde ursprünglich zur Behandlung von Blutarmut entwickelt. Seit vielen Jahren wird diese Substanz aber auch von Sportlern missbraucht. Denn durch die Einnahme von EPO lässt sich mehr Sauerstoff in die Muskeln befördern und damit eine Leistungssteigerung erzielen. Doch solche Dopingfälle sicher nachzuweisen, ist bis heute nicht möglich, da die körpereigene Substanz und die gentechnisch hergestellte Variante praktisch identisch sind. Wissenschaftern am Nationalen Antidoping-Laboratorium in Châtenay-Malabry in Frankreich ist es jetzt aber offenbar doch gelungen, zwischen der natürlichen und der synthetischen Variante zu unterscheiden. Mit einer Methode namens isoelektrische Fokussierung zeigen die Forscher, dass die beiden EPO-Varianten unterschiedlich geladen sind. Dazu untersuchten sie mehrere Urinproben auf das EPO-Muster hin. Personen, die wegen Blutarmut mit EPO behandelt worden waren, wiesen ein eindeutig anderes Muster auf als Kontrollpersonen. Die Unterschiede in der Ladung erklären sich die Wissenschafter damit, dass die beiden Proteine in verschiedenen Zelltypen zusammengebaut - die synthetische Variante wird in Hamsterzellen produziert - und entsprechend mit unterschiedlichen, die Ladung beeinflussenden Zuckerresten bestückt werden. In einer weiteren Versuchsreihe demonstrierten die Forscher, dass sich das Verfahren auch zum Nachweis eines EPO-Missbrauchs eignet. Dazu analysierten sie 102 eingefrorene Urinproben von Teilnehmern der Tour de France 1998. Sie konzentrierten sich dabei auf jene 14 Proben mit den höchsten EPO-Werten, da, wie sie mutmassen, die betreffenden Sportler mit grosser Wahrscheinlichkeit EPO konsumiert hatten. Wieder zeigte sich das für das gentechnisch hergestellte EPO typische Muster. Der Nachteil dieser Methode besteht allerdings darin, dass das EPO mit hundertprozentiger Sicherheit nur in den ersten 24 Stunden nachweisbar ist. Drei Tage später sind alle Spuren verschwunden. Besser geeignet, um länger zurückliegende EPO-Missbräuche aufzudecken, ist womöglich ein zweites, von australischen Forschern entwickeltes Verfahren. Bei diesem Bluttest werden fünf verschiedene Marker gemessen. Das Verhältnis der fünf Marker zueinander bestimmt, ob die Bildung der roten Blutkörperchen verändert wurde und somit ein EPO-Missbrauch vorliegt. Von 189 Messungen wurde, so das Ergebnis der nun publizierten Studie, nur eine als falsch positiv eingeschätzt. Mit dieser indirekten Methode können selbst Sportler entlarvt werden, die drei Wochen vorher EPO einnahmen. Die beiden Nachweisverfahren befinden sich zurzeit in der Validierungsphase. Sie werden darauf hin überprüft, ob sie sich für einen routinemässigen Einsatz eignen. Sobald die Ergebnisse vorliegen, werden sie dem Internationalen Olympischen Komitee präsentiert. Das Urteil, ob der Urintest, der Bluttest oder womöglich beide im September zur Anwendung kommen werden, wird voraussichtlich im August gefällt. Quelle: Nature 405, 635 (2000); Haematologia 85, 565-572 (2000).


8.6.2000 Französische Wissenschaftler stellen heute in "Nature" Testverfahren für Erythropoietin (EPO) vor: Rekombinantes EPO jetzt im Urin nachzuweisen. Demnächst wird es möglich sein, im Urin nachzuweisen, ob ein Sportler zur beabsichtigten Leistungssteigerung gentechnisch hergestelltes Erythropoietin genommen hat. Einen entsprechenden Test, der diesen Nachweis möglich macht, haben Wissenschaftler des französischen staatlichen Anti-Doping-Labors in Chatenay-Malabry entwickelt. Über das Testverfahren berichten sie in der heutigen Ausgabe von "Nature" (405, 2000, 635). Dr. Francoise Lasne und ihr Kollege Jacques de Ceaurriz haben für ihren Test genutzt, dass sich gentechnisch hergestelltes Erythropoietin in seinen Strukturen minimal von natürlichem unterscheidet. Diese minimalen Unterschiede sind physiologisch ohne Bedeutung, können aber analytisch genutzt werden. Die verschiedenen Formen des Bluthormons haben winzige Ladungsunterschiede, die jedoch genügen, die Formen mit der Methode der isoelektrischen Fokussierung, einem physikalisch-chemischen Untersuchungsverfahren,zu unterscheiden. Die rekombinanten Typen A und B des Bluthormons unterscheiden sich dabei wenig, sind aber deutlich von der natürlichen Form abzugrenzen. Praktisch getestet haben die Doping-Experten ihre Analysemethode mit Urinproben von Radrennfahrern, die an der "Tour de France" 1998 teilgenommen hatten, die unter dem Zeichen des Blutdopings mit Erythropoietin stand. In allen Fällen bekannter Anwendung des Hormons konnte der Test diese eindeutig bestätigen. Die Methode eigne sich daher dafür, so die Wissenschaftler, bei Sportlern die Verwendung von Erythropietin zu kontrollieren.


18.3.2000 Vom Medikament zur perfekten Wunderwaffe im Sport. Zum Stand der Forschung nach einem Nachweisverfahren von Doping mit Erythropoietin
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