Systematisches Doping im Schwimmen?

Behauptungen von Bremer und Warnecke

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Neue Zürcher Zeitung Nr. 243 vom 20.10.98

Überall auf der Welt wird mittlerweile flächendeckend gedopt, Ärzte und Betreuer steuern die Dosierung, im Labor werden die Werte überwacht. Diese Ansicht vertreten die beiden deutschen Schwimmer Chris-Carol Bremer und Mark Warnecke. "In den Taschen von Schwimmern findet man Testosteron und Epo",behauptet Bremer, 1994 in Rom WM-Dritter über 20Q m Delphin und Aktivensprecher des deutschen Schwimm-Verbandes. Bremers Schluss lautet: "Es ist kein Geheimnis, dass Dopingkontrollen problemlos umgangen werden können." Ein Arzt und ein Labor, also "Fachwissen von Experten", gehören laut Bremer dazu, um den Doping-Kontrolleuren weltweit durch die Lappen gehen zu können. "Das fatale Prinzip ist, dass versucht wird, knapp unter dem Quotienten sechs zu bleiben, sagte der 27jährige Medizinstudent in der Sportschau der ARD: Dies funktioniert, indem man regelmässig kleine Dosen einnimmt oder Depot-Präparate gespritzt bekommt. Der Athlet wird vom Arzt so eingestellt, dass er knapp unter der Grenze bleibt."

Die international gültigen Richtlinien besagen, dass ein Doping-Vergehen dann vorliegt, wenn der Testosteron-Epitestosteron-Quotient (TE-Wert) im menschlichen Körper auf 6:1 steigt. Der TE-Wert zeigt den Anteil männlicher Wachstumshormoneim Blut an. "Wer richtig eingestellt kann unter sechs, zum Beispiel bei 5,5:1", sagt Warnecke, Olympia-Dritter über 100 m Brust und ebenso wie Bremer Medizinstudent: "Das ist wie Autofahren mit 0,4 Promille. Man sagt, dass man nichts getrunken hat, obwohl jeder weiss, dass das nicht stimmt." Die ganze Sache: sei nur eine Frage des richtigen Timings. Es ist möglich, dass man abends die Pille schluckt und morgens, wenn der KontroHeur kommt,ist nichts mehr nachweisbar", sagt Bremer. "Was auffällt, sind nur die Pannen, wenn es einmal nicht geklappt hat Alle Leute schauen einfach weg." Warnecke bestärkt diese Theorie: "Man kann dies mit Hilfe eines guten Sportmediziners so darstellen, dass man das ganze Jahr unter Stoff steht. Wenn das richtig gemacht wird, fällt man bei keiner Kontrolle auf.

Bremer und Warnecke machen sich vor allem um den Nachwuchs grosse Sorgen. "Mir sind bei 13- bis 14jährigen Mädchen unnatürlich tiefe Stimmlagen und Akne aufgefallen", erklärte Warnecke dem Sender Freies Berlin: "Meine Vermutung ist, dass mit diesen Mädchen etwas geschieht. Es ist mir ein grosses Anliegen, in erster Linie jüngere Athleten zu kontrollieren, damit kein grenzenloses Doping stattfinden kann." Den jungen Leuten, so Bremer, werde vorgegaukelt, "dass sie nur hart genug trainieren müssen, erfolgreich zu sein, aber damit haben sie keine Chance". Das Problem ist laut Bremer und Warnecke die Grauzone. "Dort muss endlich aufgeräumt werden", fordert Warnecke: - "Ich gehe nicht davon aus, dass Leute, die Athleten früher beim Doping unterstützt haben, dies jetzt nicht mehr tun. In dieser Grauzone wird aber alles so geschickt gemacht, dass niemand überführt werden kann." Unterstützt werden die beiden Schwimmer von Professor Klaus Müller, in dessen Dopinglabor in Kreischa die A- und B-Pro-ben der deutschen Marathonläuferin Uta Pippig untersucht wurden: "Es gibt überhöhte Werte, die einer gesonderten Untersuchung bedürfen. Ich fürchte, dass es in absehbarer Zeit zu weiteren Todesfällen durch starkes Training in Verbindung mit Doping kommen wird."


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