SV Limmat

Schwimmverein Limmat Zürich



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Schwimmerische Leistungsfähigkeit und Alter II.

1. Juni 2002

Swimming Performance and Ageing II.

1 June 2002

© Felix Gmünder, Schwimmverein Limmat Zürich.



Einleitung und Zusammenfassung

In einer vorhergehenden Studie über den Zusammenhang zwischen Alter und schwimmerischer Leistungsfähigkeit wurden folgende Fragen untersucht:
  • ist die vermutete Abnahme der Leistungsfähigkeit auf den Sprintdistanzen ausgeprägter als auf den langen Distanzen?
  • ist die vermutete Abnahme der Leistungsfähigkeit mit zunehmendem Alter linear (gleichmässig) oder fällt die Leistungsfähigkeit im hohen Alter progressiv ab?
Die Resultate waren: Die Schwimmleistungen sind in allen Altersklassen jeweils über 1500 m signifikant am Schlechtesten und über 50 m am Besten, die 400-m-Werte liegen dazwischen. Bei den 10 besten Eliteschwimmern auf olympischem Niveau gibt es diesen Unterschied nicht. Es wurde vermutet, dass der im Vergleich zu Eliteschwimmern wesentlich reduzierte Trainingsumfang bei den Masters für das tiefere Niveau bei den Ausdauerleistungen (1500 m) verantwortlich ist. Grund für die niedrigen Trainingsvolumina sind wahrscheinlich berufliche, familiäre, gesundheitliche und/oder mentale Faktoren.

Ferner wurde in der vorhergehenden Studie gefunden, dass die Abnahme der schwimmerischen Leistungsfähigkeit distanzunabhängig mit zunehmendem Alter progressiv ist. Diese Abnahme war am wenigsten ausgeprägt bei 1500 m. Diese altersabhängige Analyse basierte auf Querschnitten, d.h. jede Altersklasse stellte einen Querschnitt dar. Dabei wurde folgendes Problem erkannt: da sich die schwimmerischen Leistungen in der Vergangenheit stets sehr stark verbessert haben, könnte die Querschnittsstudie diese Entwicklung widerspiegeln. Mit anderen Worten: Die heute "alten" Masters schwammen als sie jung waren wesentlich langsamer als es die heutigen Jungen. Um die schwimmerische Leistungsfähigkeit beim Altern noch besser untersuchen zu können, wurde vorgeschlagen, mit einer so genannten Längsschnittstudie die Karriere von einzelnen Personen zu verfolgen. In der vorliegenden Studie wird zum ersten Mal dokumentiert, dass zumindest einzelne Schwimmer und Schwimmerinnen ihre Leistungsfähigkeit über Jahrzehnte nicht nur erhalten, sondern dass sie sogar noch schneller werden können als im frühen Erwachsenenalter.

Introduction and Abstract

In a previous study about the relation between age and swimming performance, the following questions were addressed:
  • Is the possible decrease of swimming performance more prominent in sprints as compared to distance swimming?
  • Is the possible decrease of swimming performance in relation to age linear or progressive after a certain age?
The results were: Swimming performance was in all age groups lowest in the 1500 m event and best in the 50 m event with the 400 m event in between. The ten best elite swimmers at the olympic level do not show this difference. It was concluded that masters swimmers as compared to elite swimmers have a remarkably reduced workout mileage with lower endurance capacity as a consequence (1500 m event). The reason for this may be job situation, family reasons, health problems, or mental factors.

In addition it was found that the age dependent decrease in swimming performance is progressive regardless of the swimming event. The progressive decrease is least prominent in the 1500 m event. This analysis was based on cross sections, each age group represented a cross section. Thus, we have to address the following problem: Because todays older masters swimmers used to swim much slower when they were young as compared with todays young swimmers, the cross sectional analysis could mirror this development. It was suggested to even better study swimming performance and ageing a longitudinal study that tracks swimming performance of individuals over decades has to be carried out. In this study for the first time it is documented that at least some masters swimmers are able to maintain their performance over decades. Some can even get faster than in their early adulthood.

Methoden

Zwei seit dem frühen Erwachsenenalter regelmässig und auf hohem Niveau wettkampfmässig trainierende Mastersschwimmerinnen wurden nach ihrer schwimmerischen Entwicklung befragt. Die eine Mastersschwimmerin (Regula Steiger, 50) ist eine Sprinterin (zur Zeit WR-Halterin 50 m Brust auf der Kurzbahn und US-Rekordhalterin 50 Yards Brust), die andere (Esther Iseppi, 44) ist eine Langstrecken- und Lagenschwimmerin. Der Verlauf der schwimmerischen Leistungsfähigkeit wird in den verschiedenen Disziplinen in Abhängigkeit des Alters aufgezeichnet.

Methods

Two female masters swimmers who have worked out regularly and intensively and have been competing since they were young adults were interviewed about their swimming career. One of them (Regula Steiger, 50) is a sprinter (currently holder of the short course world record 50 m and US-record 50 yards breaststroke), the other (Esther Iseppi, 44) is a distance and medley swimmer. Age-dependent swimming performance in different events was tracked.

Resultate

Die Resultate für die beiden Schwimmerinnen Esther Iseppi und Regula Steiger werden in Tabellenform und als Figur gezeigt (Abbildung 1 bzw. 2).

Results

The results of the two swimmers Esther Iseppi and Regula Steiger are shown as a table and graph (Figure 1 and 2, respectively).
Abbbildung 1 / Figure 1: Esther Iseppi.
Für Vergrösserung auf Bild klicken.
Abbbildung 2 / Figure 2: Regula Steiger.
To enlarge click on figure.

Diskussion

Beide Schwimmerinnen konnten in allen Disziplinen ihre im frühen Erwachsenenalter erzielten Zeiten halten. Teilweise erzielten sie eine persönliche Bestzeit (pB) im Alter von über 30 Jahren. Regula Steiger erzielte ihre pB über 50 m Freistil von 29.40 Sek. im Alter von 49 Jahren: sie war rund 1 Sekunde schneller denn als 20-jährige. Die Langstreckenzeiten von Esther Iseppi sind in den vergangenen 3 Jahren langsamer geworden. Das ist darauf zurückzuführen, dass sie dabei ist ihre Long- und Shortaxistechnik (Kraul- und Rückenkraul bzw. Brust und Delfin) komplett umzustellen (nur noch technikorientiertes Training) und für Langstreckenschwimmer zuwenig Kilometer trainiert (nur noch etwa halbes Trainingsvolumen).

Das Resultat, dass die Leistungsfähigkeit im Schwimmen während Jahrzehnten nicht nur erhalten, sondern sogar noch verbessert werden kann, wird in dieser Studie zum ersten Mal dokumentiert. Aufgrund von persönlichen Mitteilungen anderer Mastersschwimmer ist dieses Resultat allerdings nicht überraschend. Beispielsweise schwimmt einer der erfolgreichsten Mastersschwimmer aller Zeiten, Graham Johnston aus Houston, Texas, heute mit 71 Jahren immer noch die gleichen 1500-m-Freistilzeiten wie er sie an den olympischen Spielen 1952 in Helsinki als Mitglied der südafrikanischen Mannschaft ereicht hat (im Bereich von 20-21 Minuten). Ein anderes schlagendes Beispiel ist die Masterschwimmerin des Jahres, Laura Val (50) aus Santa Clara, Kalifornien, die ihre persönlichen Bestzeiten seit Jahren verbessert.

Das in der vorhergehenden Studie gefundene Resultat, dass die Leistungsfähigkeit im Schwimmen mit zunehmenden Alter deutlich abnimmt, muss relativiert werden. Die verwendete Methode der Querschnittssanalyse ergibt wie richtig vermutet wurde ein verfälschtes Bild. Die heute "alten" Masters schwammen als sie jung waren wesentlich langsamer als es die heutigen Jungen. Bis ins Alter von 50-60 Jahren kann aber die Leistungsfähigkeit erhalten wenn nicht sogar verbessert werden. Graham Johnstons Karriere zeigt, dass möglicherweise bis ins 8. Lebensjahrzehnt Jahre kein Leistungsabfall stattfindet. Für das Alter ab 50 Jahren müssen allerdings noch mehr Daten erhoben und analysiert werden.

Die Leistungsfähigkeit im Schwimmen verhält sich offenbar mit zunehmendem Alter anders als in einigen anderen Sportarten, nämlich dass sie länger auf höchstem Niveau erhalten werden kann. In vielen Sportarten, beispielsweise im Laufsport, sind nach Kenntnisstand des Autors vergleichsweise grössere Rückschläge in der Leistungsfähigkeit bekannt (s. Artikel "Beat the clock").

Die Gründe für den langen Erhalt der schwimmerischen Leistungsfähigkeit mit zunehmendem Alter sind (Liste nicht vollständig):
  • Schwimmen führt selten zu (irreversiblen) Verletzungen von Muskeln, Sehnen und Gelenksknorpel und ist daher als Lifetime-Sportart geeignet (in Kombination mit einem Krafttraining);
  • Die Trainingsmethoden sind in den vergangenen 40 Jahren sehr stark verbessert worden;
  • Die Schwimmtechnik hat sich im gleichen Zeitraum ebenfalls stark verbessert;
  • Die Wettkampfvorbereitung und das Verhalten an Wettkämpfen ist wesentlich sorgfältiger geworden. Darüber hinaus sind auch bei den erholungsfördernden Massnahmen neue Erkenntnisse dazugekommen, was vor allem für ältere Sportlerinnen und Sportler von Bedeutung ist (reduzierte Erholungsfähigkeit im Alter);
  • Die Gesundheitsvorsorge und -erhaltung, beispielsweise die Flüssigkeitszufuhr und die Sporternährung, haben ebenfalls beigetragen;
  • Als wichtiger Grund wird von vielen Mastersschwimmerinnen und -schwimmern die im Vergleich zum frühen Erwachsenenalter bessere psychische Stabilität und mentale Stärke als Schlüsselfaktor für die Leistungsfähigkeit genannt.
Mastersschwimmerinnen und -schwimmer, die ihre Wettkampfergebnisse während längerer Zeit aufgezeichnet haben haben, sind eingeladen, ihre Daten dem mitzuteilen, damit die Studie noch verbessert werden kann. Besten Dank.
Stand 20.5.2002.

Discussion

Both swimmers were able to maintain their times in all swimming disciplines. In some cases they made a personal best time (pb) in their thirties. Regula Steiger swam her lifetime best 50 m freestyle when she was 49 years old—over 1 second faster than when she was 20 years old. Esther Iseppi slowed down during the last 3 years in her distance events. The reason for this is that she is in the process of completely changing her long axis and short axis swimming technique. Her workouts are exclusively technique-oriented. For a distance swimmer she simply lacks mileage (volume reduced to about half the milage she used to swim).

For the first time it is documented in this study that swimming performance can be maintained at a high level for decades—in some cases even an improvement is feasible. According to personal communication with other masters swimmers, this finding is actually not surprising. For instance, one of the most successful masters swimmers, the 71-years old Houston-based distance swimmer Graham Johnston, is able to swim the 1500 m freestyle at the same speed as he did as a member of the 1952 south african olympic team in Helsinki (in the range of 20-21 minutes). Another striking example is the masters swimmer of the year Laura Val (50) from Santa Clara, California, who has been improving her pbs since a couple of years.

The result presented in the previous study that swimming performance degrades quickly with increasing age has to be revised. As mentioned in the previous paper the cross sectional analysis used delivers a wrong image. Todays older masters swimmers used to swim much slower when they were young as compared with todays young swimmers. Until swimmers are 50-60 years old swimming performance does not change—there is even room for improvement. Graham Johnston's career shows that most probably there is no slowing down even in the 70ies. However, for a final conclusion for age groups older than 50 years more data has to be analysed.

Performance in swimming obviously behaves differently with increasing age as compared to other sports. Namely, it is possible to maintain a very high level for a longer time. In many sports, e.g. running, to the best of the authors knowledge athletes slow down considerably with increasing age (see "Beat the clock").

Prolonged maintenance of swimming performance with increasing age is based most probably on the following reasons (list not complete):
  • Swimming rarely leads to (irreversible) damage to muscles, tendons, and cartilage of joints. Thus it is suited as a life time sport (in combination with some strength exercising)
  • Training methods have been greatly improved during the last 40 years
  • At the same time swimming technique has changed substantially to the better
  • Preparation for competitions and routines during a competition became more sophisticated. In addition, much improvement has been made with means to reduce recovery time after workouts and races. This is extremely important with the reduced capacity of the ageing body to recover
  • Health related issues, such as fluid replenishment and sports nutrition have contributed as well
  • Many masters swimmers mention that as an adult they have enhanced mental stability, and strength, and that this plays a key role in relation to their performance
Masters swimmers who have written down their results for a longer period of time are invited to report their results to the for further investigations. Thank you very much.
Status 20.5.2002.



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