Mehr Doping-Kontrollen

TA vom 8.11.99

Die Schweiz hat ein neues Dopingstatut

Martin Sterchi, Präsident der Fachkommission für Doping-Bekämpfung, ist damit noch nicht glücklich.

Das Schweizer Sportparlament, die Generalversammlung des Schweizerischen Olympischen Verbandes (SOV), hiess am vergangenen Samstag in Bern eine Teilrevision des Dopingstatuts einstimmig gut und bestätigte Jean-Marc Schwenter, Staatsanwalt des Kantons Waadt, als Delegierten für Dopingfälle. Nach dem neuen Statut wird es in der Schweiz nur noch unangekündigte, so genannte Kontrollen on the spot geben. Im abgelaufenen Berichtsjahr waren noch 1349 von 1725 Kontrollen 36 Stunden zuvor angekündigt worden und dementsprechend von geringem Wert. Trotzdem gab es acht positive Fälle in sechs Sportarten.

Glücklich mit dem neuen Statut ist die neunköpfige Fachkommission für Doping-Bekämpfung nicht, obwohl sie für die Kontrollen in der Schweiz nun alleine zuständig ist. Die Strafhoheit der Fachverbände bleibt vorerst bestehen, und bei internationalen Veranstaltungen kann es zu Friktionen kommen, wie sich am Tennisturnier in Gstaad zeigte. Der Präsident der Fachkommission, der Berner Fürsprech Martin Sterchi, hofft auf eine schnelle Funktionsfähigkeit der World Anti-Doping Agency, die diese Woche in Lausanne gegründet wird. Sie soll mit Regierungsdruck für klare Regeln sorgen.

Martin Sterchi, wie unabhängig ist die Fachkommission für Doping-Bekämpfung?

Sie ist administrativ unabhängig. Wir sind vom SOV-Parlament gewählt und nur diesem zur Rechenschaft verpflichtet. Wir sind aber abhängig von den Finanzen, die uns bewilligt werden. Wir entscheiden, wer wann und wo in der Schweiz kontrolliert wird. Vorher stand dieses Recht auch den Fachverbänden zu.

Im Budget 2000 des SOV sind für die Dopingbekämpfung 952 000 Franken vorgesehen, das sind 243 000 Franken mehr als bisher. Müssen damit auch die vom SOV vorgesehenen vier professionellen Dopingkontrolleure entlöhnt werden?

Nein. Aber auch mit dem neuen Budget müssen wir gezielt und vor allem in Risikobereichen kontrollieren. Das Überraschungsmoment muss gewahrt bleiben. Deshalb werde ich nicht sagen, bis zu welchem Niveau und Alter wir kontrollieren werden. Es wird aber mehr Kontrollen geben als bisher. Über 2000.

Beim Tennisturnier in Gstaad im vergangenen Sommer gab es einige Aufregung um einen Kontrolleur Ihrer Kommission. Wie werden die Kontrolleure ausgebildet?

Bisher wurden die Kontrolleure in Feierabendlehrgängen ausgebildet. Das soll sich ändern mit den vollamtlichen Kontrolleuren, die unser nächstes Ziel sind. Wichtig ist das Beherrschen der Abläufe. Es gibt ein Konzept mit Inspizienten für die Kontrolleure. Den Entscheid muss der Exekutivrat des SOV fällen, der auch das entsprechende Budget bereitstellen muss. Dass es in Gstaad zu Unstimmigkeiten kam, lag zum einen Teil am Kontrolleur, der die Kontrollen nicht im Hotel, sondern auf dem Platz vornehmen wollte, zum andern aber auch an den geltenden Bestimmungen. Die ATP-Tour ist für ihre Turniere verantwortlich, der SOV hat das Recht, die Schweizer ausserhalb der Wettkämpfe zu kontrollieren, und Swiss Tennis befindet sich im Clinch.

Das sind Zustände, die der Doping-Bekämpfung nicht dienlich sind.

Wir hoffen, dass die World Anti-Doping Agency die Regeln vereinheitlichen wird. Dann werden wir eine Totalrevision unseres Dopingstatuts vornehmen können. Es braucht eine Vereinheitlichung des Systems, eine einheitliche Praxis für Sanktionen, professionellere Verfahrensabläufe und einwandfreie Verfahren, sonst scheitern wir. (Interview: dr.)