Mit moderner Technik sind Dopingsubstanzen langfristig nachweisbar

Bei den Olympischen Sommerspielen in Sydney wird es erstmals in der Geschichte der olympischen Bewegung Blutkontrollen geben, um Manipulationen mit Erythropoetin (EPO) nachzuweisen. In der Vergangenheit standen eher andere Dopingpräparate im Mittelpunkt der Spiele, vor allem Stimulantien und Anabolika. Welche Substanzen sind im Berufssport verboten, wie werden sie nachgewiesen? Eine Übersicht hierüber bietet Professor Wilhelm Schänzer, Leiter des Instituts für Biochemie der Deutschen Sporthochschule in Köln in der Deutschen Zeitschrift für Sportmedizin (51, 2000, 260).

Bei den Dopingbestimmungen im Profisport gibt das Internationale Olympische Komitee (IOC) bislang den Ton an. Was Doping ist, dafür hat die Medizinische Kommission des IOC eine pragmatische Definition gefunden: Doping ist die Verwendung von Substanzen aus den verbotenen Wirkstoffgruppen und die Anwendung verbotener Methoden.

Die sogenannte Dopingliste des IOC ist von nahezu allen Sportverbänden übernommen worden. Danach gibt es fünf verbotene Wirkstoffgruppen (Stimulantien, Narkotika, anabole Wirkstoffe, Diuretika, Peptidhormone und Analoge), drei verbotene Methoden (Blutdoping, Anwendung künstlicher Sauerstoffträger und Plasmaexpander sowie pharmakologische, chemische und physikalische Manipulationen) sowie fünf nur mit Einschränkungen zugelassene Wirkstoffgruppen (Alkohol, Cannabinoide, Lokalanästhetika, Corticosteroide und Beta-Blocker).

Da sich diese Doping-Substanzen in ihrer chemischen Struktur und ihren Eigenschaften stark unterscheiden, können nicht alle Substanzen mit einer einzigen Analyse erfasst werden, wie Schänzer ausführt. Grundsätzlich werde in der Dopinganalytik unterschieden zwischen der Probenvorbereitung, wobei die jeweiligen Wirkstoffe oder deren Metaboliten aus dem Urin isoliert und für die anschliessende Messung vorbereitet werden, und der analytischen Bestimmung, die (mit Ausnahme der Analyse von Peptidhormonen) aus einer chromatographischen Trennung und einer folgenden massenspektrometrischen Detektion besteht. Wie sehr sich die Analyseverfahren voneinander unterschieden, veranschaulicht Schänzer an zwei Beispielen:

Amphetamin etwa werde nach oraler Gabe überwiegend unverändert mit dem Urin ausgeschieden. Die Probenvorbereitung für den Nachweis von Amphetamin sei entsprechend einfach. Nachdem das Amphetamin aus dem Urin extrahiert worden ist, wird es mittels einer Gaschromatograpie (GC) erfasst. Das Massenspektrum biete den eindeutigen Beweis, ob jemand Amphetamine genommen habe oder nicht, so der Kölner Analytiker. Das vor allem in der Leichtathletik beliebte Steroidhormon Nandrolon hingegen wird beim Stoffwechsel fast vollständig umgewandelt, so dass ein Nachweis nicht über Nandrolon selber, sondern über seinen Hauptmetaboliten Norandrosteron geführt wird. Mit Hilfe der hochauflösenden Massenspektrometrie können Anabolika auch längerfristig nachgewiesen werden. Das ist insofern von Bedeutung, da Steroidhormone wie Nandrolon nicht nur im Wettkampf, sondern vor allem auch in der Trainingsphase angewendet werden.

Schwierigkeiten gab es bislang beim Nachweis von Peptidhormonen wie Erythropoetin (EPO) und Wachstumshormonen (HGH). Ein Test auf EPO ist vom IOC mittlerweile zugelassen worden, wobei zwei Verfahren miteinander kombiniert werden. Ein direktes Verfahren nutzt geringfügige Unterschiede in den Ladungen von körpereigenem und rekombinantem EPO. Ein indirekter Nachweis gelingt über die Erfassung verschiedener Blutparameter, die sich nach EPO-Anwendung verändern. Hierzu zählen die Gesamtzahl an Erythrozyten, der Hämatokritwert, die Gesamtzahl an Hämoglobin, die Hämoglobinkonzentration, die Anzahl an Reticulozyten, Makrozyten, die Konzentration an Eisentransferrin-Rezeptor und die Serum-Konzentration von EPO selber.

Für HGH gibt es derzeit noch kein zugelassenes Nachweisverfahren. Allerdings hat der Münchener Endokrinologe Dr. Christian Strasburger bereits Anfang 1999 ein Verfahren vorgestellt, womit sich humanes von rekombinantem HGH sicher unterscheiden lasse. Das IOC hat dieses Verfahren jedoch nicht gewürdigt.