© Felix Gmünder, Schwimmverein Limmat Zürich

Neuer Serumtest zum Nachweis von Wachstumshormonen

Die Methode wurde am Institut für Dopinganalytik in Kreischa entwickelt / Die Anerkennung durch das Olympische Komitee (IOC) steht noch aus

KREISCHA (Ärztezeitung, bd). Pünktlich zum Start der Tour de France am 6. Juli 2002 ist das Thema Doping wieder aktuell. Die Kontrollen sollen in diesem Jahr verschärft werden. Vor dem Start mußten sich alle Teilnehmer einer Blutkontrolle unterziehen, insgesamt sollen 90 EPO-Tests vorgenommen werden. Künftig könnte auch ein neuer Test zum Nachweis von rekombinanten Wachstumshormonen (hGH) helfen, Doping-Sünder leichter zu entlarven.

Der Serumtest, der am Institut für Dopinganalytik und Sportbiochemie (IDAS) in Kreischa entwickelt worden ist, weist Proteine und Peptide im Blut nach, die in ihrer Konzentration im Serum durch rekombinante Wachstumshormone verändert sind.

Dabei handelt es sich um eine indirekte Nachweismethode, so die Dresdener Chemikerin und Entwicklerin Dr. Astrid Knieß im Gespräch mit der "Ärzte Zeitung".

"Bei unserem Test sind es die indirekten Parameter, also bestimmte Eiweiße, die Hinweis auf eine Zuführung von Wachstumshormonen von außen geben, auch wenn das Wachstumshormon selbst schon nicht mehr im Körper vorhanden ist." Der Vorteil dieser Methode: Der Nachweis ist noch zwei bis drei Tage nach der Applikation zu führen.

Ihre Methode hält die Chemikerin deshalb auch geeignet für Wettkampfkontrollen. Der Test wäre nach ihrer Ansicht ideal in Kombination mit dem Testverfahren des Münchern Mediziners Dr. Christian J. Strasburger, mit dem es möglich ist, rekombinantes von körpereigenem hGH zu unterscheiden.

Beide Verfahren parallel anzuwenden, wäre zur Entlarvung von Doping-Fällen mit hGH am besten, so die Chemikerin. Mit dem Test des Münchner Mediziners könne man das hGH nur bis 24 Stunden nach der letzten Applikation entdecken, da die Halbwertszeit von hGH kurz und nach 24 Stunden bereits alles abgebaut sei. Die neue Methode wiederum erkenne die Zufuhr von Wachstumshormonen erst nach einigen Applikationen, da sich erst dann die indirekten Marker veränderten. Sie blieben jedoch noch zwei bis drei Tage nach der letzten Applikation erhöht, so daß beide Verfahren eine Aussage über Doping zuließen. Bislang konnten Wachstumshormone als Doping-Mittel nicht nachgewiesen werden. Deshalb wisse man über den wahren Mißbrauch von hGH noch sehr wenig, sagte der Leiter des Instituts, Professor Klaus Müller in Dresden.

Da beide Test-Verfahren anwendungsreif sind, wäre es sinnvoll, sie möglichst schnell einzusetzen, um ihre Aussagekraft zu überprüfen, so der Bundesbeauftragte für Doping-Analytik. Beide Testverfahren sind vom IOC nämlich noch nicht anerkannt. "Da wird immer noch das eine oder andere Haar in der Suppe gefunden", sagte Knieß.

Stichwort: Wie funktionieren Wachtumshormone?