Selbst Zehnjährige schlucken Kreatin

© Felix Gmünder, Schwimmverein Limmat Zürich

Von Pete Smith, Ärztezeitung

Das Nahrungsergänzungspräparat Kreatin wird unter Sportlern immer beliebter. In einigen Schnellkraftsportarten konsumieren nach Schätzungen von Professor Wilhelm Schänzer, Leiter des Instituts für Biochemie an der Deutschen Sporthochschule Köln, schon zwischen 70 und 80 Prozent der Athleten Kreatin. Aber auch Breitensportler, darunter viele Jugendliche, wollen damit ihren Muskelaufbau beschleunigen

[Hintergrundinformation Kreatin im Schwimmsport]. Eine gerade veröffentlichte Studie ergab, daß sechs Prozent aller US-Schulsportler zwischen zehn und 18 Jahren Kreatin konsumieren. Bei den 18jährigen waren es fast die Hälfte!

New Yorker Pädiater um Jordan D. Metzl vom Cornell Medical College haben 1103 Schüler aus ihrer Metropole vor deren jährlicher Abschlußprüfung im Sport befragt (Pediatrics 108, 2001, 421). 62 Schüler (5,6 Prozent) gaben an, Kreatin zu konsumieren (darunter auch Zehnjährige), bei den 18jährigen waren es sogar 44 Prozent. Unter den männlichen Schülern (8,8 Prozent) war der Konsum von Kreatin verbreiteter als bei den Schülerinnen (1,8 Prozent). Das Eiweißpräparat ist unter jugendlichen Athleten fast aller Sportarten beliebt, dabei dominieren Football, Wrestling, Hockey und Turnen.

Kreatin ist eine natürliche Substanz, die zum Beispiel auch in Fleisch vorkommt. Das Nahrungsergänzungsmittel steht zwar nicht auf der Dopingliste, ist unter Medizinern jedoch umstritten. Über mögliche Spätschäden eines lange andauernden hohen Konsums von Kreatins gibt es keine validen Daten. Das französische Gesundheitsministerium hat einer Meldung des Deutschen Sportbunds zufolge den kommerziellen Handel mit Kreatin verboten. Als Begründung wurde ein nicht auszuschließendes Krebsrisiko angeführt.

Eine weitere Gefahr geht von den möglichen Verunreinigungen des Präparats aus. Eine Untersuchung des baden-württembergischen Landwirtschaftsministeriums deckte kürzlich auf, daß viele Nahrungsergänzungsmittel mit Prohormonen verunreinigt sind. Unter den verseuchten Produkten war auch die Charge eines Kreatin-Produkts.