SV LIMMAT

Schwimmverein Limmat Zürich





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Bewirken Asthma-Inhalatoren etwas?

1. Juli 2001

Do asthma inhalers have an effect?

1 July 2001

Adapted from: Swimming World, September 1998, © Übersetzung Felix Gmünder, Schwimmverein Limmat Zürich
Tom Dolan

Tom Dolan atmet als Asthmatiker - wie auch zum Beispiel Amy Van Dyken - mit einem Inhalator vor dem Training und Wettkampf ein Medikament ein, um nicht in Atemnot zu kommen. Sie könnten ohne dieses Asthma-Medikamant gar nicht Sport betreiben. Das Medikament bewirkt eine Erweiterung der Bronchiolen, der feinsten Verzweigungen der Luftwege in den Lungen. Beim Asthmatiker verkrampfen sich bei Anstrengungen diese Bronchiolen, das Atmen wird zum Keuchen, der Kranke scheint fast zu ersticken. Bronchiales Asthma ist eine zunehmende Erkrankung der Atemwege - aber das ist nicht der Grund, warum man diese Inhalatoren fast so häufig wie Schwimmbrillen am Pool antrifft. Seit 1992 ist die Verwendung der meisten Asthma-Medikamente mit Inhalatoren legal. Gemäss Angaben des IOC verwenden etwa 60% der AthletInnen solche Inhalatoren, es ist zu vermuten, dass nicht alle Asthmatiker sind. Allerdings: Schwimmen ist ein Sport der für Asthmatiker selektiert. Viele Kinder werden vom Arzt zum Schwimmen geschickt, weil die feuchte Luft die Asthma-Probleme mildert.

Viele gesunde SportlerInnen gehen davon aus, dass die Verwendung des Inhalators leistungsfördernd sein müsse: Das Atmen falle leichter und es finde mehr Sauerstoff pro Zeiteinheit den Weg übers Blut in die Muskeln.

Was denken die Fachleute darüber? Die Asthma-Medikamente finden zwar über die Luftwege und die Lungenbläschen den Weg ins Blut und von dort in den Urin, die Doping-Fander können das messen. Aber die Mengen im Blut (und im Urin) sind so gering, dass sie für die meisten in Frage kommenden Substanzen unter dem Schwellenwert bleiben. Ausnahmen sind Inhalatoren mit Prednison (Cortison). Diese müssen 3 Wochen vor einem Wettkampf abgesetzt werden. Die Experten sind deshalb nicht alarmiert. Die meisten der inhalierten Substanzen haben nämlich unangenehme Nebenwirkungen wie Übelkeit und Nervositäts-/Angstgefühle. Amy Van Dyken: "Die Medikamente machen Magenschmerzen. Es ist wie 10 Tassen Kaffee. Es ist beschissen, aber ohne Inhalator könnte ich nicht mal zur Türe hinaus gehen." Und der wichtigste Grund: Die Substanzen sind nicht leistungsfördernd. Allenfalls handelt es sich um einen Plazebo-Effekt.

Das Problem ist allenfalls der Nachahmungseffekt: Was tun Nachwuchstalente, wenn sie die "Grossen" am Inhalator hängen sehen?
Tom Dolan is suffering from asthma - like Amy Van Dyken - and he has to inhale a drug before work-outs and competitions in order to avoid a severe bronchial asthma attack. Without inhalation he and his fellow-sufferers woulkd not be able to perform any sports. The medication prevents the bronchioles, the smallest extensions of the airways - from constriction. Bronchial asthma is on the increase worldwide - but this is not the reason why bronchial inhalers have become almost as common as goggles on the deck. Since many asthma medications became legal to ingest by inhaler in 1992, no swimmer has tested positive. According to IOC-officials about 60% of athletes are using asthma medications. It is assumed that only a small proportion of this are asthmatics. But: Swimming is a sport that selects for asthmatics. Many young children are sent to the pool because the humid air reduces asthma problems.

Many healthy athletes think that inhalating asthma medications must enhance performance. Breathing is enhanced and more oxygen is transported from the lungs via the bloodstream to the muscles.

What do experts think about this? Asthma drugs find their way via the bloodstream to the urine where doping tests provide evidence of their existence. But the amount found in the urine is way below the threshold for a positive test. The only exception is prednisone (cortisone) which cannot be taken within 3 weeks of competition. Thus, experts are not alarmed. Most of the drugs have side effects such as nausea or the jitters. Amy Van Dyken: "The medication makes you sick to your stomach. It's like drinking 10 cups of coffee. It's absolutely disgusting, yet I can't walk out my door without an inhaler." And most important: Most asthma medications are not performance enhancing. At best simple belief in the inhalers could have a (placebo-) effect.

A problem might be that many young talents see their idols using inhalers. Caution!

Spitzensportler leiden oft unter Asthma - aber so oft wie angezeigt?

Von Pete Smith [Deutsche Ärztezeitung vom 20.6.2001]

Warum gibt es unter den Berufssportlern so viele Asthmatiker? Täuschen sie ihre Krankheit bloß vor, um auf diese Weise offiziell verbotene Medikamente nehmen zu dürfen?

Seitdem bekannt geworden ist, daß die Staatsanwaltschaft Florenz auch gegen den deutschen Berufsradfahrer Jan Ullrich ermittelt, wird das Thema Doping und Asthma in der Öffentlichkeit diskutiert. Bei Ullrich waren während des Giro inhalative Kortikoide beschlagnahmt worden. Nach Auskunft von Telekom-Arzt Dr. Lothar Heinrich leidet der ehemalige Tour-Sieger seit Jahren unter Pollenallergie und Asthma, weshalb er die Präparate benötige.

Die Medizinische Kommission des IOC definiert Doping unter anderem als die "Verabreichung von Wirkstoffen, die verbotenen Gruppen pharmakologischer Wirkstoffe angehören". Eine entsprechende Verbotsliste wird den Athleten und ihren Ärzten ausgehändigt.

Zur Behandlung einer obstruktiven Lungenerkrankung, eines allergischen oder eines Anstrengungsasthmas sind systemisch eingesetzte Kortikosteroide verboten. Auch die Beta2-Agonisten unterliegen grundsätzlich dem Dopingverbot. Um kranken Sportlern jedoch zu helfen, hat das IOC Wirkstoffe zur Inhalation zugelassen. Darunter fallen Dosier-Aerosole, Pulver zur Inhalation, Diskus, Inhalationslösung, EasyHaler und ähnliche Darreichungsformen.

Zur inhalativen Therapie sind derzeit die Beta2-Agonisten Salbutamol, Salmeterol und Formoterol zugelassen. Der Einsatz von inhalativen Kortikosteroiden wird geduldet. Die Erkrankung muß in jedem Fall von einem Facharzt bestätigt und angezeigt werden.

Genau daran entzündet sich die Kritik. Als im vergangenen Jahr bekannt wurde, daß der Schwimmstar Sandra Völker an Asthma erkrankt ist, gab es die gleichen Dopingverdächtigungen gegen sie wie jetzt gegen Ullrich. Hintergrund dieser Spekulationen sind die hohen Zahlen an angezeigten Asthma-Erkrankungen unter Hochleistungssportlern. Danach litt im vergangenen Jahr jeder fünfte Teilnehmer der Olympischen Spielen von Sydney an Asthma. Bei den Winterspielen 1994 in Lillehammer sollen Berichten zufolge 70 Prozent aller Athleten Asthma-Bescheinigungen präsentiert haben, bei der Schwimm-WM in Perth sogar 80 Prozent.

Studien belegen, daß Ausdauersportler wie Läufer, Schwimmer, Radfahrer und Skilangläufer in der Tat häufiger Asthma bekommen als der Bevölkerungsdurchschnitt. Allerdings liegt die dokumentierte Rate von zehn Prozent deutlich unter jener Zahl von Erkrankungen, die vor Wettkämpfen gemeldet wird.



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