SV LIMMAT

Schwimmverein Limmat Zürich



Zurück | Back: Home | Schwimmen Ratgeber und Tipps | Swimming Tips and Advice

sport sports schwimmen swimming linsen linsengericht

Fragen und Antworten zu Linsengerichten

1. Oktober 1997

© Felix Gmünder, Schwimmverein Limmat Zürich

1. Wie bewerten Sie Linsen gegenüber den anderen Hülsenfrüchten?

Linsen sind vom ernährungsphysiologischen Standpunkt aus nicht wertvoller als Bohnen oder Erbsen. Den guten Ruf, nämlich dass Linsen besonders gesund seien, ist auf den biblischen Mythos des Linsengerichtes zurückzuführen. Linsen sind Hülsenfrüchte und etwa gleich viel "wert" wie Erbsen und Bohnen. Dazu mehr in den folgenden Antworten.

2. Darf oder sollte ein Linsen-/Hülsenfrüchtegericht regelmässig Fleisch ersetzen und in welcher Menge?

Nein, auf keinen Fall. Kommentar dazu s. Antwort auf Frage 3.

3. Stimmen die Angaben, die mir über Linsen vorliegen: 23 Prozent Proteine, 59 Prozent Kohlenhydrate und 1 Prozent Fett plus Vitamine, Ballaststoffe und Mineralien?

Diese Angaben sind richtig. Sie treffen aber auch für Bohnen und Erbsen zu. In bezug auf den Vitamin- und Spurenelementgehalt schneiden alle Hülsenfrüchte im Vergleich zu anderen pflanzlichen Produkten, insbesondere den meisten Früchten, durchschnittlich bis unterdurchschnittlich ab. Der Eisengehalt aller Hülsenfrüchte kann stark schwanken. Es sind sehr hohe aber auch sehr tiefe Werte gemessen worden. Die in Pflanzen gemessenen Eisenwerte sind aber gar nicht von Bedeutung: Die gemessene Menge sagt leider nichts aus über die Menge, die im Darm vom Körper aufgenommen wird. Das Eisen aus Pflanzen wird nämlich vom Körper im Vergleich zum Eisen aus Fleisch oder Leber sehr schlecht aufgenommen. Es ist gut bekannt, dass strenge Vegetarier, insbesondere Leistungssportlerinnen, in einen chronischen Eisen- und/oder Vitamin B12-Mangelzustand geraten können. Ob man dem mittels Eisen- und Vitamin B12-Präparaten oder hin und wieder etwas Leber in der Diät abhelfen oder vorbeugen will ist Geschmackssache. Eisen und Vitamin B12 sind für die Muskelfunktion und den Stoffwechsel ganz wichtig. Besonders eisenhaltige Pflanzen sind die grünen Blattgemüse und -salate (Spinat, Kopfsalat etc.).

Wegen den Vitaminen, Spurenelementen und dem Eisen muss man sich als Vegetarier oder "Wenigfleischesser" also nicht auf Hülsenfrüchte im allgemeinen und Linsen im speziellen stürzen. Etwas anders sieht die Sachlage aus, wenn man das Eiweiss betrachtet. Wegen des hohen Eiweissgehaltes gehören Hülsenfrüchte zum festen Bestandteil jeder vegetarischen Kost. Wichtig zu wissen aber ist, dass die Hülsenfrüchte nicht alle essentiellen Aminosäuren, d.h. lebensnotwendige Eiweissbestandteile, enthalten. Die vegetarische Kost muss unbedingt durch (Vollkorn-)Getreideprodukte, d.h Weizen, Roggen, Reis etc. sowie Mais, ergänzt werden. Das wussten schon die Mayas: Auf ihrem täglichen Speisezettel standen sowohl Bohnen als auch Mais, hin und wieder ergänzt durch etwas Huhn.

Früher wurde die rein vegetarische Ernährung von fast allen Ernährungsfachleuten als unzureichend taxiert. Heute vertritt sogar die amerikanische Landwirtschaftsbehörde (DOA) nicht mehr die Ansicht, dass nur Fleisch- und Milchprodukte die Basis einer gesunden Ernährung bilden. Im Gegenteil, trotz massiver Kritik der amerikanischen Fleisch- und Milchlobby empfiehlt sogar das DOA heute eine mehrheitlich vegetarische Kost. Die Einsicht hat sich durchgesetzt, dass dadurch eine besonders gesunde, d.h eine balaststoff-, vitamin-, mineralstoff- und spurenelementreiche sowie fett- und cholesterinarme Ernährung resultiert.

Warum nur mehrheitlich und nicht rein vegetarisch? Der Mensch ist biologisch gesehen ein "Allesfresser", d.h. er ist von Natur aus eben kein strenger Vegetarier. Eine rein pflanzliche Diät, d.h. ohne Eier oder gar Milchprodukte führt bei manchen Personen zu folgenden Problemen: Kalziummangel, Vitaminmangel (insbesondere B12) und Eisenmangel. Strenge Vegetarier, die sich sehr intensiv mit der Materie auseinandergesetzt haben, können langfristig aber durchaus gesund bleiben. Eine rein vegetarische Diät ist für Kinder und Jugendliche, Schwangere, Kranke und evtl. auch ältere Menschen nicht zu empfehlen. Auch Leistungssportler/-innen können in Defizite geraten. Natürlich gibt es bekannte Ausnahmen von Sportler/-innen, die das trotzdem schaffen. Diese werden dann von Vegetariern, die ihre Ernährungsweise zur Religion erhoben haben, als Vorzeigebeispiele zitiert. Von denen, die gescheitert sind, redet man nicht. Ich will mich klar ausdrücken: Auch LeistungssportlerInnen können sich im Einzelfall ohne Leistungseinbusse vegetarisch ernähren, nicht alle Menschen reagieren aber gleich darauf. Man muss halt mit Vernunft und ohne Sturheit ausprobieren was einem gut tut und was nicht.

Ungekochte pflanzliche Produkte sind mit Ausnahme von Früchten übrigens nicht unbedingt gesünder, sie sind in der Regel schwerer verdaulich. Unser Magen-Darmsystem hat keinen Pansen, in dem nach dem Wiederkäuen die harten Pflanzenzellwände von Bakterien und Kleinlebewesen für die Verdauung aufgeschlossen werden.

4. Bestehen Wertunterschiede zwischen Konserven- und eingeweichten, frisch zubereiteten Linsen?

Eingeweichte Linsen sind auch nicht frisch, sie sind getrocknet und unter Umständen längere Zeit gelagert worden. Besser wäre es die Linsen frisch auf dem Markt (aber dann wirklich frisch!) oder tiefgefroren einzukaufen, übrigens genauso wie Bohnen oder Erbsen.

Ob nun getrocknete Produkte wirklich mehr Wert sind als solche in Konserven, ist mir nicht klar. Konservenprodukte werden sterilisiert, d.h. während mehrerer Minuten bei 120 Grad in der Büchse unter Druck erhitzt. Dabei geht ein Teil der Vitamine verloren. Die getrockneten Produkte haben wahrscheinlich mehr Vitamine (den anderen Bestandteilen macht weder das Erhitzen noch das Trocknen etwas aus), aber weil ja Hülsenfrüchte sowieso keine Vitaminkanonen sind, ist der Unterschied Trocknen/Sterilisieren letztlich wohl gar nicht von Bedeutung - vorausgesetzt man lebt nicht von Bohnen oder Linsen allein! Beim Tiefkühlen bleibt das Produkt am ehesten vollwertig, vorausgesetzt, es wird nur vorher kurz blanchiert und dann sofort eingefroren.

5. Haben Sie in diesem Zusammenhang noch besondere Hinweise, die für uns Schwimmer wertvoll wären?

Ich würde weder am Tag vor einem Wettkampf und schon gar nicht am Wettkampftag selber Hülsenfrüchte essen. Die möglichen Blähungen könnten leistungsmindernd sein. Natürlich ist auch das wie vieles andere eine Frage des Masses: Ein Esslöffel Linsen am Tag davor dürfte noch gut vertragen werden, aber ein ganzer Teller davon... lieber nicht. Die Vorwettkampfkost und die Wettkampfkost ist in der Regel eher eine ungesunde, einseitige Ernährung. Sie darf auf keinen Fall leistungshemmend sein und muss die nötige Energie rasch und ohne Belastung bereitstellen. Wenn man sich vorher (und nachher) gesund ernährt, macht diese kurze Zeit der relativ einseitigen Ernährung aber gar nichts aus.

Sie wundern sich jetzt vielleicht, dass die Antworten nicht immer simpel sondern meist komplex sind, und manchmal gibt es auf eine Frage sogar mehrere Antworten. Gerade weil eben so viele Dinge bei der Ernährung eine Rolle spielen, können zwei auf den ersten Blick gegensätzliche Antworten schliesslich nach längerem Nachdenken beide richtig sein.




Zurück | Back: Home | Schwimmen Ratgeber und Tipps | Swimming Tips and Advice | an den Anfang | Top